Jan 30

Dass sich in der aktuellen Situation nur noch wenige klar zu Printmedien bekennen, mussten wir diese Woche auf dem DLD in München hören. Auch wenn Hubert Burda klarstellte, dass mit Online derzeit nur Pennys zu verdienen seien (und das auch noch im Panel, das Focus-Online-Chefredakteur Jochen Wegner leitete), waren die meisten eher mit dem Festzurren der virutellen Rettungswesten und dem Verlassen des alten Tankers “Print” beschäftigt.

Geradezu wohltuend ist da schon die Werbung im aktuellen Kulturspiegel für den neuen Freitag (der sinnigerweise aber schon donnerstags in die Läden kommt). Ab sofort kann man nicht nur beim Fischhändler bestimmen, welchen Inhalt man in seiner Zeitung haben will… netter Slogan und ebenso interessantes Konzept, das Jakob Augstein da verfolgt. Ob sich das verkauft, bleibt abzuwarten - gerade einmal 12000 Exemplare hatte der Freitag in letzter Zeit umgesetzt und manches darin war alles andere als leicht verdaulich und wohlschmeckend.

Immerhin: Das rein linksintellektuelle Blatt will man nicht mehr sein und das ist angenehm und vernünftig gleichermaßen. Schließlich braucht Deutschland nicht bloß Linke, die unsere Zukunft konstruktiv mitgestalten wollen.  Ob Jakob Augstein das “Mitmach-Medium” (so beschreibt er es im Standard), an dem nicht nur Journalisten mitarbeiten sollen, wirklich realisieren kann, bleibt abzuwarten. Erfrischend anders könnte das jedenfalls werden, was wir ab kommende Woche zu lesen bekommen. (Kursivsetzung nachträglich - s. Kommentare, tw)

Dez 12

Ein schickes Online-Tool zum Erstellen von Zeitleisten ist Dipity (nicht zu verwechseln mit Serendipity). Wie sowas aussehen kann, sieht man hier. Das ist Online-Journalismus, wie ich ihn mir vorstelle. Nicht diese schnarch-langweilige Sammelsurium aus Bildergalerien, Bildergalerien und Bildergalerien, mit dem derzeit viele Verlage auf Klickfang (Entschuldigung, Jochen, PI-Fang) gehen (und immer noch so tun als wären die Werbetreibenden blöd).

Übrigens: Eine schöne Form der Bildergalerie bietet Spiegel online in einem Artikel über die c’t und deren Jubiläum (”Zentralorgan von Nerdistan“). Da stimmt immerhin das Verhältnis von Bild und Text.

Dez 05

Nennt mich altmodisch, aber ich bekenne hiermit, dass ich Twitter für die sinnloseste Erfindung der letzten Jahre halte. Und selbst wenn Mario Sixtus ganz begeistert davon ist und selbst wenn sich der Wortvogel davon anstecken lässt: Ich werde nicht twittern…

1.) weil im Moment offenbar jeder meint, er müsste twittern, um hip zu sein - und weil es deswegen schon wieder cool ist, nicht zu twittern! (Hey, erinnert sich noch jemand an Second Life und den diesbezüglichen Hype?)

2.) weil ich es für Zeitverschwendung halte, zu lesen, dass Leute sich gerade einen Hamburger gekauft haben und mit Sauce bekleckert haben - und weil ich meinen Mitmenschen solche Belanglosigkeiten nicht antun möchte.

3.) weil ein Blog zur Befriedigung meiner latent vorhandenen Selbstdarstellungstrebe mehr als ausreicht. ;-)

4.)  weil Verfassungsschutz und BKA wahrscheinlich auch ohne Twitter genug über mich wissen und ich als braver Bundesbürger auch mal ein bißchen Privatsphäre für mich behalten will

5.) weil 140 Zeichen nicht einmal ansatzweise für das ausreichen, was ich zu sagen hätte.

Nov 07

Schade, dass wir bei der Cool Site of the month im Aktuell-Teil der PC-Welt nur gefühlte 200 Zeichen zur Verfügung haben. Ansonsten würde ich da mal dieses gelungene Google-Earth-Mashup vorstellen: Word Magazine’s World: Album Covers. Dort erfährt man, welche Album-Covers wo aufgenommen wurden. Für Deutschland sieht’s noch etwas mau aus - lediglich dass das Lauschgift-Cover der Fantastischen Vier auf dem Golfplatz in Leonberg fotografiert wurde, weiß die Site zu berichten. Im britischen Raum sieht’s da schon etwas besser aus. Was ich nicht wusste: Montreux muss himmlisch sein - zumindest wurde das Cover zum letzten Queen-Album Made in Heaven (wow - was ein Wikipedia-Eintrag!) dort aufgenommen.

Okt 31

Da muss ich doch gleich noch nachlegen. Dieses wunderschöne Mashup (sogar mit Video) ist mir gerade begegnet: Amy Macdonald - This is the life mit dem Ketchup-Song von Las Ketchup (und einigen Samples aus Live is Life von Opus). Über die Qualität der verwendeten Songs kann man (mit Ausnahme des Haupttracks von Amy) streiten, die Qualität des Mashup und die Idee sind dagegen richtig gut. Ach ja - das Ding kommt von einem Menschen namens XAM. Weiß jemand mehr dazu?

Okt 19

Kathrin Passig und Sascha Lobo (den ich vor einigen Wochen auf einer sterbenslangweiligen Pressekonferenz kennenlernen durfte, auf der er mir aber auch nicht hinreichend erklären konnte, was an Twittern so geil ist) haben ein neues Buch geschrieben: Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin. Sascha Lobo, wir erinnern uns, das ist der von “Wir nennen es Arbeit“, einem Buch zur Generation P(rojektarbeit) mit nettem Ansatz, dem hundert Seiten weniger aber richtig gut getan hätten. Kathrin Passig, das ist die mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis… Nunja, wie das neue Buch von Passig und Lobo ist, weiß ich noch nicht - es liegt noch ungelesen hier rum - was aber jetzt schon ziemlich klasse ist, ist der Spot zum Buch, der gleichzeitig auch der Einstieg ist und bei Youtube steht. Seht selbst.

Okt 19

… zumindest nicht für dreiste Abzocke, von der man erst erfährt, wenn’s zu spät ist. Wovon ich spreche? Von Stayfriends, dem Dienst, der alte Schulfreunde wieder zusammenbringen soll. Da war ich seit mehr als fünf Jahren Mitglied - erst aus Zufall, dann aus Neugier und im Laufe der Zeit habe ich auch tatsächlich den einen oder anderen von den alten Mitschülern dort gefunden. Eine längere Unterhaltung hat sich meist nicht ergeben, Bilder haben auch nur sehr wenige Nutzer dort eingestellt - ein Community eben, die eher schlecht als recht läuft. Aber bevor man sich aus sowas wieder austrägt, muss ja schon was Gravierendes passieren.

Gut, dachte ich mir vor einiger Zeit - kann man ja mal einen Glückwunsch zum Geburtstag auf diesem Weg absetzen - an einen ehemaligen Mitschüler, von dem ich keine aktuelle Mailadresse hatte. Einige Benachrichtigungsmails später wusste ich, dass der Empfänger zwar meine Nachricht lesen konnte, ich die seine aber nicht. Stattdessen sollte ich eine Gold-Mitgliedschaft für 18 Euro im Jahr abschließen - nur um eine Nachricht lesen zu können. Leute, das ist dreist.

Ach ja - Heiner und ich unterhalten uns inzwischen über Wer kennt wen oder chatten. Dort habe ich übrigens eine Reihe von Leuten wiedergetroffen, die ich schon vor ewigen Zeiten aus den Augen verloren hatte - auch und gerade solche, von denen ich gar nicht gedacht hätte, dass ich sie in einer Community antreffen würde (das fand ich das Spannendste daran!).

Nun habe ich gerade bei Stayfriends gekündigt - wie’s geht, verrät die Site nur sehr versteckt (immerhin nicht ganz so versteckt wie die Tatsache, dass man für den Dienst 18 Euro zahlen soll). Die Lösung, wie man sich abmeldet, hatte ich im Nullkommanix bei Gutefrage.net gefunden. So muss Web 2.0 sein - und zwar ohne dass der Anwender dafür Geld bezahlt!

P.S.: Ich sehe gerade - ich bin offenbar nicht der einzige, der auf den Stayfriends-Laden sauer ist. ;-)

Jul 03

Als Asus vor einem Jahr den ersten Eee-PC angekündigt hat, haben mich einige Kollegen verständnislos angeschaut, als ich das Konzept dahinter toll fand: ein Notebook für 300 Euro, das man immer dabei haben kann und das vor allem so klein und leicht ist, dass man es auch immer dabeihaben will.

Inzwischen sind einige Produkte rund um das Phänomen “Netbook” angekündigt worden, aber die wenigsten hat man bisher im Laden sehen können (manche nicht mal vorab in der Redaktion). Diese Woche hatte ich dann das (fast) perfekte Netbook in der Hand. Eine kleine Kaufberatung gefällig?

Also der Reihe nach: Der Asus Eee-PC 4G mit 7-Zoll-Bildschirm machte schon einen ziemlich durchdachten Eindruck - wenn man ihn mit der beiliegenden Linux-Version betreibt. Für Windows XP taugt dagegen die Auflösung nicht. In sofern habe ich auch die Aufregung nicht verstanden, als Asus auf der Cebit die Kooperation mit Microsoft angekündigt hat. Die macht nämlich erst mit der 9-Zoll-Version (EEE-PC 900) überhaupt Sinn. Das Gerät selbst ist durchwachsen - gar nicht mal schlecht verarbeitet, aber in Sachen Bildschirm, Tastatur und Akkulaufzeit noch nicht überragend.

Durchgefallen ist bei mir der One A120. Die Verarbeitung fand ich wenig überzeugend, die Tastatur lädt nicht zum Schnelltippen ein, das ganze Teil kippt zudem aufgrund ungeschichter Gewichtsverteilung nach hinten. Außerdem hat mich der VIA-Prozessor nicht überzeugt. Last not least sehen die Teile (insbesondere mit dem 7-Zoll-Bildschirm) ziemlich nach billigem Kinder-Laptop aus… tut mir leid, aber anders kann ich das nicht beschreiben.

Der erste Mini-Rechner mit Intel-Atom-Technologie kommt diesen Donnerstag in die Läden - zunächst mal nur in die Filialen von Aldi und hört auf den Namen Medion Akoya Mini. 399 Euro kostet das Teil und könnte mal wieder zu einem Ansturm wie in den 90ern führen.

Ich konnte das Gerät schon mal kurz antesten - und war überrascht bis hoch erfreut: Ein 10-Zoll-(Non-Gläre)-Display, das scharf, gut lesbar und hell ist, eine Tastatur, die für diese Geräteklasse relativ groß ist und auch schnelles Tippen ermöglicht. Die Performance des Geräts stimmt - der Atom ist allerdings gar nicht so viel schneller als der Asus. Schade eigentlich… Auch die Akku-Laufzeit ist nur ähnlich wie beim Eee-PC. Zum Einsatz kommt in der Aldi-Version - anders als die Gerüchte besagen - ein Drei-Zellen-Akku, nicht der schwerere Sechs-Zellen-Akku.

Wer bei Aldi nichts abbekommt, muss aber sicher nicht traurig sein, das Ding gibts bald sicherlich auch im Medion-Shop. Der Medion Akoya Mini war schon auf der Cebit angekündigt worden, allerdings erst für den Herbst. Dass Medion da jetzt schon schneller geschossen hat, ist löblich. und ungewöhnlich für diese Produktkategorie (man erinnere sich an die Warten-auf-Eee-Nummer, die Asus da abgezogen hat). Das Gerät ist baugleich mit dem MSI Wind (der hoffentlich in Deutschland noch einen anderen Namen bekommt ;-), aber wohl nicht vor September in die Läden kommt) und soll, wie man hört, in absehbarer Zeit auch noch mit weißem Gehäuse rauskommen (bei Ebay gibt’s ihn schon in der Farbe). In schwarz sieht er recht schlicht und unauffällig aus, abgerundete Kanten, liegt gut in der Hand (rund 1 Kilo leicht). Glücklicherweise haben die Leute von Medion auf diese empfindliche glänzende Oberfläche verzichtet, die die letzten großen Notebooks der Akoya-Reihe so empfindlich für Fingerabdrücke und Schmutz aller Art gemacht hat.

Woraus kann man sich in nächster Zeit noch freuen? Der Acer Aspire One ist für den Herbst geplant und könnte auch noch ein interessantes Gerät in derselben Preisklasse (rund 350 Euro) sein - die Kollegen der Chip-Redaktion zeigten sich von einem Fast-Fertig-Vorserien-Modell jedenfalls auch recht angetan (ebenso Tom’s Hardware Guide). Etwas teurer, dafür aber wohl sehr ordentlich verarbeitet ist der HP 2133, den es schon in einigen Ländern gibt (wird aber wohl um die 450 Euro Straßenpreis kosten).

Fazit: Mit Netbooks können Journalisten und andere mobile Menschen endlich ordentlich unterwegs arbeiten, ohne gleich ein 3 Kilo schweres vollwertiges Notebook dabei haben zu müssen. Für mich ist der Akoya derzeit DAS Gerät zum Surfen, Texte schreiben und bloggen für unterwegs. Der Preis ist zwar schon hart an der Schmerzgrenze für ein Zweigerät, aber ich glaube, wenn das Gerät in Weiß rauskommt, bin ich fällig, zumal wenn sich das Gerät tatsächlich als Macbook betreiben lässt!

Jun 05

Es gibt ja inzwischen immer seltener den Fall, dass ich ein Tool oder einen Webdienst so klasse finde, dass ich ihn gleich selbst privat einsetzen will. Ein solcher Dienst ist Humyo.com. Dabei handelt es sich um eine kostenlose, hervorragend zu bedienende virtuelle Festplatte mit 30 (!) GB Speicherplatz. Dateien lassen sich entweder per Java-Web-Applet hochladen oder aber per Einbindung als Laufwerk in den Windows-Explorer. Schick ist auch die Geschwindigkeit: Selbst bei einer 16.000er-Leitung merkt man keine Drosselung (anders als zum Beispiel bei der virtuellen Festplatte, die beim Web.de-Club dabei ist (und für die zahlt man immerhin Geld). Ein weiteres Plus: Man kann sehr elegant und gezielt Rechte an Freunde und Bekannte vergeben (Schreib- und Leserechte getrennt, Rechtezuteilung per Mail). Jetzt kann ich endlich meine CD-Sammlung auch von unterwegs aus ansteuern und meinen Eltern Zugriff auf meine Fotos ermöglichen. Und das Ding ist vor allem so einfach zu bedienen, dass auch meine Eltern keine Probleme damit haben dürften…

PS: Wem die 30 GB nicht reichen sollten, der kann sich für Geld bis zu 100 GB Speicherplatz reservieren. Aber das wäre dann doch etwas dekadent für den Hausgebrauch. ;-)

Mai 10

Das prozesswütige Zeitgenossen gerne mal Behinderte und andere Unwägbarkeiten des Lebens als Grund sehen, vom Veranstalter einer Reise einen Teil des Geldes zurück zu verlangen, ist bekannt. (und interessanterweise von den Gerichten sehr unterschiedlich bewertet worden). Dass die Anwesenheit von Journalisten jetzt schon ein Grund ist, dass ein Veranstalter den Reisepreis in vorauseilendem Gehorsam gleich selbst senkt, ist ungewöhnlich und neu… und hier nachzulesen. Jetzt ist die Frage: Wenn ein Stern-Journalist eine Reisepreissenkung für die anderen von 50 % zur Folge hat, was würde dann passieren, wenn ich jetzt auch noch dort buche? Dürfen dann alle anderen kostenlos mit? Zahlen sie nur noch 25 % des Reisepreises? Wird die Reise ganz abgesagt?

Kykladen und Segeln wäre ja nett und Urlaub habe ich in der Zeit auch… aber 60 km lange Fahrradtouren? Hmm neee… also ich würde dann dafür mehr bloggen, wenn das okay ist. Und nachdem ich gelesen habe, dass man auch auf eigene Faust mit Karte und Kompass losziehen kann, würde ich dann halt voller Elan losradeln - um mich dann hinter der nächsten unbeobachteten Ecke in die Büsche zu schlagen (wahlweise eine Taverne aufzusuchen oder mich an den Strand zu packen)… aber nicht weitersagen ;-).