Jun 13

Die Deutsche Presseagentur meldete am Wochenende “Viele EHEC-Tote werden nicht mehr ganz gesund”. Das kommt vor, ist dann peinlich, weil’s zeigt, dass der Dienst habende Redakteur wohl etwas zu schnell auf den “Veröffentlichen”-Button gedrückt hat und besser nochmal gelesen hätte, was er da verzapft.

Noch viel peinlicher aber ist, dass man bei einer einfachen Google-Suche mehr als hundert (!) seriöse Presseorgane findet, die den Käse einfach so übernommen haben (zumeist automatisch), darunter Stern, Focus, Augsburger Allgemeine, Süddeutsche Zeitung, Südkurier, Frankfurter Rundschau, n-tv und diverse andere… (Update: Einige Sites haben inzwischen zu “EHEC-Kranke” korrigiert, was sich aber erwartungsgemäß in den Suchergebnisseite von Google noch nicht findet, da eine erneute Erfassung durch den Robot noch nicht erfolgt ist.)

So oder so -der Fall zeigt mal wieder, wie gleichgeschaltet (ja, ich verwende den Begriff mit Bedacht, aber bewusst) die Presselandschaft inzwischen ist. Ein Dienst wie Google-News fördert sowas noch zusätzlich, weil eine Meldung dort höher gewertet wird, wenn sie in möglichst großer Zahl in ähnlicher oder gleicher Form auf mehreren Sites auftaucht. Diskussionen um Leistungsschutzrecht für Presseorgane bekommen angesichts derartigen “Qualitatsjournalismus” ein Geschmäckle…

PS: Mal schauen, ob’s die Geschichte in den nächsten Hohlspiegel schafft…

Jan 11

Der Spiegel bringt mal wieder ein Internet-Thema als Titelgeschichte: “Die Untersättlichen”, so der Titel der aktuellen Ausgabe, handelt von der Datensammelwut von Facebook, Google und Co. Nicht neu, aber korrekt und weitgehend allgemeinverständlich geschrieben.
Natürlich ein gefundenes Fressen für die Blogger, Twitterer und andere Netzexperten, die ja den Printjournalisten ohnehin gerne jegliche Berechtigung absprechen, über Netzthemen zu schreiben. Einige Antworten auf den Spiegel Titel: Gutjahr, Wasmitmedien und Carta (schöne Zusammenfassung bei Turi).

Nicht ganz unberechtigt, aber am Thema vorbei ist die Kritik an den Verlagen: Die Verlage seien doch selbst nicht besser, wenn sie zum Angriff auf die Abonnenten- und Testabonnentendaten blasen und diese für Werbemaßnahmen und Adresshandel (neudeutsch Leadgenerierung) nutzen. Äpfel und Birnen… denn das was Facebook und Co. erheben, ist ungleich komplexer und spitzer als die daegen geradezu harmlosen Datensätze der Verlage. Hinzu kommt: Eine Redaktion, die so etwas schreibt, ist auch nicht immer mit dem glücklich, was Vertrieb, Marketing und Co. tun. Was sollen die Redakteure denn machen? Das Thema deswegen totschweigen? Sicher nicht. Mit einem investigativen “ja, aber…” reingrätschen und die “bösen Machenschaften” des eigenen Hauses schildern? Das birgt reichlich Zündstoff und dürfte in der heutigen Zeit schwierig werden, in der Redaktionen in vielen Verlagen gerne als lästiger Kostenfaktor gesehen werden.

Nein - es ist auf jeden Fall berechtigt, dass der Spiegel auf die Risiken von Geolokalisierungsdiensten und Usertracking aufmerksam macht und dadurch eine größere Öffentlichkeit sensibilisiert als dies etwa Computerzeitschriften tun können. Wer die Geschichte ein wenig aus einer anderen Sichtweise lesen will, kann gerne einem Blick in die aktuelle PC WELT werfen (Heft 2/2011) - dort setze ich mich ab Seite 70 mit den Vor- und Nachteilen der Geolokalisierungsdienste und -apps auseinander.

Jan 12

Da ich am Wochenende einige Anregungen und Nachfragen zu meiner Süd-Post-Geschichte bekommen habe, will ich Euch auch nicht die Auflösung vorenthalten: Habe dort also jetzt mal angerufen und gefragt, ob sie irgendwie ein Motivationsproblem bei einigen Mitarbeitern hätten. War der Dame am Telefon relativ peinlich und ich wurde gebeten, Ihr doch die Laufnummern der Briefe zu nennen. Hab’ ich dann getan und ihr gleich noch gesagt, dass es bei uns in der Nachbarschaft einen Süd-Post-Briefkasten gibt… war sie regelrecht begeistert und meinte, ob sie mich einstellen könnte. Wenn das also mal nichts mehr mit dem Journalismus wird oder ich mir einen Arbeitsplatz mit mehr frische Luft wünsche… Naja, vorerst habe ich mal abgesagt. ;-)

Jan 08

Faszinierend, was man so alles in seinem Briefkasten findet. Sechs Briefe landeten heute bei mir, allesamt nicht für mich bestimmt, allesamt vom Post-Konkurrenten Süd-Post, der gerade mit der „neuen sympathischen Art der Zustellung“ wirbt. Nunja, sympathisch ist es vielleicht schon, wenn ich auf die Weise endlich meine Umgebung kennenlerne, aber ist das auch im Sinne der Empfänger (siehe Bild) und der Absender? Immerhin: 3x Handynetzbetreiber O2, 2x das Finanzamt München und 1x ein Versicherungsmakler namens Trowe. Ob wohl auch irgendwas in den letzten Tagen und Wochen an mich gehen sollte, das jetzt bei jemand anderem liegt, der es kopfschüttelnd in den Papierkorb entsorgt hat (bestenfalls) oder meine Finanzamts-Schreiben gelesen hat (nein, wohl nicht, sonst wäre er vorbeigekommen und hätte mir mindestens einen ausgegeben ;-) ).

Liebe Leute von der Süd-Post: Abgesehen davon, dass das eigentlich ein Fall ist, der in die Münchner Medien gehört (AZ, SZ, tz, Merkur, will jemand??) frage ich mich, was ich jetzt mit dem Zeug machen soll. Auf den Briefkasten legen wird nichts nützen – der freundliche Post-Briefträger wird’s sicher nicht mitnehmen wollen (warum sollte er auch die Arbeit der Konkurrenz erledigen). Ich glaube, das wird ein freundlicher Anruf bei der Süd-Post-Pressestelle werden… Eins weiß ich in jedem Fall sicher: So unzuverlässig ja manchmal die „richtige“ Post ist – das ist aber noch deutlich besser als die noch sparsamere Konkurrenz.

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Okt 31

Die Medientage 2009 sind vorbei und die Stimmung schwankt zwischen “hurra, wir überleben die Krise” bis hin zu “the best is yet to come”. Fast alle kriegen Dollarzeichen in den Augen, wenn’s um iPhone-Apps geht, weil ja die Zielgruppe in diesem Fall ausnahmsweise mal bereit sei, für ein Stück Software zu zahlen (was sogar im Spiegel stand und deswegen muss es ja so sein). Vielleicht geht die Rechnung ja auf, vielleicht werden sie auch eines Besseren belehrt. Denn einzelne Gadgets mögen ja tatsächlich ihren Programmierern Geld bringen (ähnlich wie es auch in der New Economy Firmengründer gab, die ihr Unternehmen an eine große Gruppe verkaufen konnten), das Gros wird aber meiner Auffassung nach eben nicht die große Kohle scheffeln, sondern allenfalls eigene Dienste und Sites pushen, was ja allerdings auch nicht schlecht ist.

Spannend waren wieder die beiden Gipfeltreffen - zumindest deren Key-Speeches. Eigentlich dachte ich ja zunächst bei Richard David Precht “was hat denn der mit solchen Themen zu tun?”, aber die Gedanken, die Precht beizutragen hatte, waren über weite Strecken interessant, wenn auch nicht in allen Punkten neu. Insbesondere die Idee der “systemrelevanten Medien” fand ich spannend - in Anlehnung an die systemrelevanten Banken, denen man ja auch die eine oder andere Staatshilfe gewährt. Zur Elefantenrunde am ersten Tag ist ansonsten nur zu sagen, dass sie  mit insgesamt 14 Gästen heillos überbesetzt war. So richtig kam da keiner zum Zug und allenfalls Markworts launige Sprüche machten die Sache erträglich.

Wie old-fashioned noch viele Medienentscheider denken, bemerkte man am zweiten Tag anlässlich des Printgipfels. Jeff Jarvis wurde krankheitsbedingt per Skype zugeschaltet (funktioniert hervorragend) - und seine Thesen (eigentlich nur eine gestraffte Fassung seines Buches “What would Google do?”) kamen offenkundig nicht bei allen Verlagsmanagern an. Anstatt sich Gedanken über den “struggle for public attention” zu machen, beharren einige der Podiumsteilnehmer darauf, dass “man was dagegen tun muss, dass Google an den eigenen Inhalten mitverdient”. Nein, liebe Leute: Seid froh, dass Google Euch die Zugriffe beschert und die Leute auf die eigene Site schickt. Nehmt lieber das Geld von der Straße, das da liegt (und damit meine ich nicht nur die 17 Euro, die Ihr für jeden Text von der VG Wort bekommt)… man kann sich nicht bei Schneefall darüber beschweren, dass man nass wird, man muss den Schlitten rausholen und schauen, dass man seinen Spaß hat. Interessant war übrigens auch, wie detailliert sich Jarvis offenbar in der deutschen Medienlandschaft auskennt… okay, er war bei den letzten zwei, drei DLDs, aber bemerkenswert ist das dennoch.

Sep 10

Ein Manifest sollte es sein, was die Damen und Herren Alphajournalisten und -blogger (Niggemeier, Sixtus, Lobo, Passig und Co., die üblichen Verdächtigen halt) da dieser Tage von sich gegeben haben. Als Antwort auf die Heidelberger Erklärung und die Hamburger Erklärung war es  gedacht, als Replik auf alles, was die “Internet-Ausdrucker”, also die Leute, die ihrer Meinung nach vom Netz keine Ahnung haben, von sich gegeben haben. Herausgekommen ist eine sagen wir halbgare Sammlung an wenig überraschenden Wahrheiten, einige Platituden und Meinungen. “17 Behauptungen” darüber, “wie Journalismus heute funktioniert” heißt es im Untertitel und das ist auch treffender.

Ein Diskussionspapier mag es gerne sein, doch die Autoren führen gerade eindrucksvoll vor, warum es eben nicht funktioniert, ein solches Diskussionspapier in ein Wiki zu stellen. dass das Internet eben doch kein so demokratisches Medium ist, wie sie es gerne hätten. Es sei schon schwierig genug gewesen, fünfzehn Leute unter einen Hut zu bringen, lassen die Autoren wissen.

Aber gehen wir doch mal Punkt für Punkt durch…

These 1: Selbstverständlich - daran zweifelt auch niemand. Die Frage ist vielmehr, wie die etablierten Medien das umsetzen wollen und können.

These 2: Das klingt mir zu sehr nach Aufhebung des Gatekeeper-Gedankens… ist zwar sicherlich richtig, aber nur die halbe Wahrheit: Es bleibt nicht nur die journalistische Qualität, die zu Aufmerksamkeit führt, sondern der Markenaspekt wird unterschlagen. Eine Marke, die als Print- oder AV-Marke funktioniert hat, wird es auch im Netz leichter haben.

These 3: Das ist dann schon mal einer der Hauptkritikpunkte, die ich äußern möchte. Eine solche Einschätzung spiegelt nicht die Realität des Jahres 2009 wider, sondern allenfalls die des Jahres 2015 (und vielleicht noch nicht mal die, warten wir’s ab). Fragt doch mal Lehrer, wie viele ihrer Schüler in der Oberstufe nicht wissen, was ein Blog ist. Fragt Menschen jenseits der 50, ob sie mit sozialien Netzwerken etwas anfangen können (und gebt ihnen möglichst noch den Begriff Xing dazu).

These 4: Klares Ja. Zugangssperren bringen nur denen Ärger, die technisch nicht so ganz auf der Höhe sind. Die, die für die sie eigentlich gedacht sind, werden sie dagegen immer umgehen können. Versprochen!

These 5: Das ist ein klares Argument für Medienhäuser und Special-interest-Blogs und -portale. Der Großteil der Nutzer ordnet nämlich nicht seine Informationen selbst, er klickt auf zwei, drei Seiten - möglicherweise die, die er aus der Offline-Welt auch kennt. Der bewusste Mediennutzer, der RSS-Feeds aggregiert, Twitter-Feeds liest und Informationen ordnet - das sind sehr wenige.

These 6: Klingt schön - ob’s auch so kommt, können wir nur hoffen. Ich hätte mich eher auf das “verändert” als auf das “verbessert” eingelassen.

These 7: Ja, klar. Könnten sich bitte die Verlagsleiter und Chefredakteure das in Gold rahmen und dreimal täglich vorbeten? Ich denke da vor allem an Hans-Jürgen Jakobs von der Süddeutschen, der noch auf dem diesjährigen Süddeutschen Journalistentag des DJV gegen die Verlinkerei wetterte und Ideen wie Perlentaucher.de anprangerte, die ihm angeblich das Geschäft kaputtmachen. Er zog dann noch die Parallele zu “denen da in Schweden” (gemeint waren die Piratebay-Betreiber, die in derselben Woche verurteilt worden waren). Spätestens da wurde klar, dass er Äpfel mit Birnen vergleicht und den medialen Sprung ins 21. Jahrhundert noch vor sich hat.

These 8: Keine Diskussion und volle Zustimmung

These 9: Sicher richtig, wobei wir uns von dem Bild der elektronischen Agora (Rheingolds Thesen aus den 90ern) endlich verabschieden müssen. Das Internet ist ohne Einflussnahme durch z. B. Medien per se auch nicht demokratischer als andere Medien vor ihm - bevorzugt sind die, die den Kampf um Aufmerksamkeit gewinnen, auch wenn die Mittel andere sind (SEO, Online-Marketing, virales Marketing etc.).

These 10: Auch kein Punkt über den man streiten muss, wobei das Meßinstrument für guten Journalismus noch nicht gefunden ist - das wird Bloggern immer wieder deutlich, wenn sie sich zum Beispiel bei den Messegesellschaften akkreditieren müssen (namentlich Hannover).

These 11: Es hat wohl auch niemand vor, Informationen zu unterbinden. Sicher ist aber, dass das Mehr an Informationen eher dazu führt, dass wichtige Informationen auf der Strecke bleiben. Das knüpft eigentlich nahtlos an These 5 an. Wichtig ist der Sortierer, der Aggregierer.

These 12: Ein klares Argument gegen einen gebührenfinanzierten Rundfunk, der sich mehr als programmbegleitend auf’s Netz auswirkt. Das Heulen der Verleger, Google enteigne sie, ist hier gänzlich unangebracht, peinlich und unverständlich. Das Internet ist ein freier Markt und dem haben sich die Marktteilnehmer zu stellen. Den sozialen Charakter der sozialen Marktwirtschaft kann es allenfalls durch die Anwender geben, nicht durch irgendwelche Regularien von Regierungen und NGOs. Was würde Google tun, wenn in Deutschland Gesetze irgendwelche Abgaben vorsähen? Das Unternehmen ginge ins Ausland und würde von dort aus weitermachen (fragt mal Elby/Slysoft zu dem Thema). Mit nationalen Gängelungen und Reglementierungen ist im Netz (zumindest in dieser Hinsicht) niemandem beizukommen.

These 13: Hier würde ich vor allem den ersten Gedanken unterschreiben. Wenn jemand mein Ebay-Bild für seine Auktion verwendet - so what? Aber mein geistiges Eigentum muss auch meines bleiben, bzw. muss ich als Urheber hierauf Einfluss haben, was damit geschieht. Die Verlage sind hier kein gutes Vorbild, das kann jeder Autor und freie Journalist am eigenen Leibe erfahren. Mehr sog’ i net.

These 14: Klares Ja - Aufruf an Verlage und Medienunternehmen: Seid kreativ! Schaut, was funktioniert und was nicht! War in den Anfangsjahren des Rundfunks auch nicht anders.

These 15: Das stimmt so nicht - ich würde umformulieren: Was im Netz ist, ist schlechter steuerbar. Es kann dort bleiben,verschwinden oder Dir aus der Hand genommen werden, indem es kopiert und weiterverwendet wird. Darauf verlassen sollten sich die Historiker jedenfalls nicht, dass Netzinhalte auch in 2, 20 oder 200 Jahren noch auffindbar sind.

These 16: Das ist eine schöne, romantische Vorstellung (die ich auch teile, dafür bin ich Journalist mit einem Anspruch geworden). Aber wir müssen uns auch klar darüber sein, dass der Qualitätsbegriff nicht immer zieht, dass es noch andere Waffen im Kampf um Aufmerksamkeit gibt, die weitaus durchschlagender sind. Ich sehe da vor allem bestehende Marken und “niedere Instinkte” des Rezipienten. Wer etwas anderes behauptet, soll sich bitte die Klickzahlen von Bilderstrecken und anderen Gaga-Formaten ansehen. Das ist übrigens auch in den alten Medien (Zeitung, Zeitschrift, Fernsehen, Hörfunk) nicht anders: Leichtverdauliches schlägt regelmäßig anspruchsvolle Inhalte, so bedauerlich das ist.

These 17: Die Schwarmintelligenz schlägt den einzelnen - das ist richtig und schön. Nur ist es zumindest heute noch nicht so, dass das Gros der Nutzer Wikipedia- und andere Inhalte hinterfragt, das hat der Guttenberg-Fall vor einigen Monaten gezeigt. Nicht einmal Journalisten tun das. Das Internet bietet allerdings überhaupt erst die Möglichkeit, den Nachrichtenfluss bis zur Quelle zurück zu verfolgen. Dass das gerade für Journalisten eine Herausforderung ist, kann nicht bestritten werden. Es kann aber auch zu Formen des Forenmobbings führen.

Fassen wir zusammen: Es ist schwer bis unmöglich, einen Umwälzungsprozess wir den aktuellen Medienwandel in 17 Thesen zu fassen und diese an die virtuelle Kirchentür zu nageln. Irgendwie erinnert das Manifest über weite Strecken an ein Wahlkampfprogramm, enthält viel Belangloses und diverse Allgemeinplätze. Jeder wird einige Punkte finden, die er so unterschreiben kann, mehr auch nicht. Vielleicht war das Ganze ja mal wieder eine PR-Maßnahme für die siebzehn fünfzehn Netzmenschen,die sich zu Wort gemeldet haben - der große Wurf war’s jedenfalls nicht.

Ein paar andere Reaktionen werde ich die Tage noch posten und twittern - das “wahre Moneyfest” schon mal als Einstieg. Nett auch, was Hal Faber in seiner gewohnt liebenswürdig-ironischen Art dazu meint. Außerdem lässt es Mercedes Bunz es in ihrem neuen Job beim Guardian doch etwas sehr an der gebotenen Differenzierung zwischen Meldung und Meinung fehlen.

Aug 20

Obwohl ich im Moment mehr vom Twitter- als vom Blog-Virus befallen bin, gibt es durchaus Dinge, die schon aus Gründen der Ausführlichkeit besser im Blog aufgehoben sind… zum Beispiel die Meldung, dass Entertainment Weekly für einen Teil seiner Abonnenten nun ein Magazin mit 2,7 mm dünnem Mini-Computer (angeblich wiederaufladbar per USB, wie auch immer das bei der Dicke Dünne funktionieren soll)  rausbringt.

Klingt verdammt futuristisch und nach Harry Potter, aber wäre sicher auch für Computer- und Technikhefte eine spannende Sache. Ich höre schon die Sales-Abteilungen jubeln und auch die Online-Kollegen aus der Redaktion hätten sicherlich einiges beizusteuern (Trailer, Filmchen, How-to-Anleitungen, animierte Diagramme, etc.). Und auch die Möglichkeit, Content im Laufe der Zeit zu aktualisieren, ist nicht zu verachten: Live-Ticker, Wahlergebnisse und alles das, was Redakteuren kurz vor Redaktionsschluss den Schweiss auf die Stirn treibt… klingt nach einer schicken Spielerei für Verlage und Redaktionen - wenn auch nicht ganz billig: So ein Teil kostet laut FTD mehrere Dollar pro Stück und dürfte damit eher etwas für eine kleine Premium-Auflage sein.

Die Frage ist nur, wie nutzerfreundlich das Ganze ist. Wer nämlich mal auf der Site des Herstellers Americhip war, dürfte aus dem Fluchen nicht mehr rausgekommen sein. Flash und Klickibunti at its worst… ein Hingucker ist das am Zeitschriftenstand sicher, aber den blauen Umweltengel wird man sich damit nicht verdienen. Da reichen ja schon die vielen CDs/DVDs, die mühevoll und teuer entsorgt und getrennt werden müssen.

Dennoch: Ich bin gespannt, wer als erstes in Deutschland so etwas einsetzt.

Jul 28

Ich hätte da übrigens einen Tipp für die Verlage, wie sie sich jedes Jahr ein paar hunderttausend Euro in die Taschen schieben könnten und auch noch den Schreibern was Gutes tun könnten: VG-Wort-Onlinemeldung für Texte im Internet. Ich leiste gerne Hilfestellung, wenn man mich drauf anspricht. Schließlich handelt es sich um Geld, das ohnehin den Urhebern und Verlegern zusteht. Wie man hört, mussten nämlich in diesem wie auch schon im vergangenen Jahr Gelder zurückgestellt werden, damit nicht einige wenige einen Riesenbatzen bekommen. Zur Info: Wir sprechen nicht von Peanuts, sondern von 23 Euro für die Autoren und 17 Euro für die Verlage - PRO ARTIKEL!

Rechnen wir doch mal nach: Ein mittelgroßes Portal hat pro Tag (sagen wir mal) 20 Artikel mit über 1.800 Zeichen, die jeweils 3.000 Mal innerhalb eines Jahres angeklickt werden (Voraussetzung für den Höchstsatz). Rechnen wir mit 200 Tagen im Jahr und berücksichtigen wir, dass auch der Back-Catalog, also das, was in den letzten (sagen wir) fünf Jahren erstellt wurde (also 20.000 Artikel) mitvergütet wird. Für diese 24.000 Artikel gibt’s immerhin knapp 400.000 Euro im Jahr für den Verlag (und etwa das eineinhalbfache noch einmal aufgeteilt auf die Autoren). Gut, das wird in den nächsten Jahren sicher weniger, wenn einige Verlage aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und mehr dran teilnehmen - aber im Moment hätte es so manchem Verlag einen warmen Regen beschert und vielleicht dem einen oder anderen Kollegen die Kündigung erspart.

Ach ja - alle Autoren, deren Verlage noch selig schlafen, können über eine Sondermeldung immerhin 3 Euro pro Artikel bekommen. Das ist ja dann auch schon was. Hierbei entfällt dann auch im Gegensatz zur “normalen” Lösung die 3000-Abrufe-Regel.

Jul 28

Nun also doch: Die IVW verschiebt Ihre Schwerpunkte und weist nun als wichtigstes Element die Visits aus. Nun haben alle, die so beharrlich PI-schindend tätig waren, Gesprächsbedarf. Statt klickintensiver Bilderstrecken mit den tollsten Kühlergrills der Welt (das Sommerloch lässt grüßen), Sudoku-Spielereien und Ratespielchen jetzt also endlich Inhalte? Wäre ja schön. Aber ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen der Online-Medien auch hier einen Weg finden, wie man kostengünstig große Mengen Inhalt ranschaffen kann, ohne dafür diese lästigen Journalisten bezahlen zu müssen. Immerhin: Neu ausgewiesen werden jetzt sogenannte Kategorien-Visits, die zeigen sollen, wohin die vielen schönen Klicks gehen - zum Preisvergleich und zu anderen E-Commerce-Seiten oder wirklich zu den Medieninhalten. Die Frage ist hierbei vor allem, wie schlau und geschickt sich die Agenturen anstellen, die das alles zu bewerten haben, um ihre Auftraggeber auch wirklich im passenden Medium zu platzieren.

Jun 25

Eigentlich ist Hart aber fair ja meist das Intelligenteste, was man an einem Mittwochabend im deutschen Fernsehen anschauen kann. Doch gestern war’s leider ziemlich mager, was Frank Plasberg da geboten hat (Podcast hier zum Nachhören).

“Sind wir alle Boris? Die neue Sucht nach Öffentlichkeit” hieß das Thema. Nachdem etwas an den Haaren herbeigezogen “nachgewiesen” wurde, dass ja niemand gar nie nicht und sowieso in keinster Weise sich für Boulevard und B-Prominenz interessiert und alle doch nur Heuchler sind, ging’s dann mehr um Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken à la Facebook und StudiVZ. Doch das Ganze blieb sehr an der Oberfläche und der Oberlehrer des Talks griff mehrfach arrogant daneben.

Warum stellt er einen etwas undeutlich sprechenden Gast seiner Sendung, einen sicherlich medienmäßig eher unerfahrenen Nerd Wissenschaftler vor aller Öffentlichkeit bloß (”machen Sie mal die Zähne auseinander, man versteht sie nicht”)? Warum geht er nicht mit StudiVZ-Chef Markus Berger-de León (übrigend davor bei Jamba und Myhammer) härter ins Gericht, wenn der den schwachsinnigen Vergleich von StudiVZ und einem Freundschaftsalbum, das ja auch herumgereicht wurde, bringt? Warum grätscht er nicht dazwischen, wenn Gäste das Internet und nicht die allgegenwärtige Präsenz von Handycams und anderen Digitalkameras für unerfreuliche Entwicklungen wie Bilderklau von Unfallopfern verantwortlich machen?

Dass Alfred Biolek - er machte hier noch fast die beste Figur - kein netzaffiner Mensch ist, schade eigentlich, sonst hätten wir sicher ein gutes Kochblog mehr (übrigens lesenswert seine Biografie).