Sep 07

Irgendwie ist es schon beruhigend, zu sehen, dass auch andere Redaktionen mit den neuen Möglichkeiten des Internets noch überfordert sind nicht ganz so virtuos umgehen wie es möglich und wünschenswert wäre. Ein Trial-and-Error-Spielchen, das etwa die Süddeutsche mit ihren Web-Videos dokumentiert. Da gibt’s unter anderem ein eher tragisch als erheiternd wirkendes Filmchen zur gestrigen Dackelwanderung im Englischen Garten. Wer etwas genauer recherchiert, merkt recht schnell, dass das Video vom Münchenblogger stammt (und es dort auch den passenden “Bericht” gibt, der allerdings inhaltlich äußerst dünn ausfällt). Das macht das Video zwar nicht weniger peinlich, dokumentiert aber, wie sehr wohl auch die Onliner der großen SZ sparen müssen. Daraus zu schließen, dass Blogs und traditionelle Medien enger zusammenrücken, wäre allerdings falsch. Es ist eine Zweckehe, die beiden Partnern mehr abverlangt als ihnen gut tut.

Jul 16

Eine Mail an mich von Amazon: “Amazon.de hat neue Empfehlungen für Sie auf Basis der Artikel, die Sie gekauft oder bewertet haben.” Neben Robert Harris und der Spider Murphy Gang (welche Mischung…) rät man mir zu den unsäglichen “Feuchtgebieten” von Charlotte Roche. Danke schön, kein Bedarf. Das ist wohl das am meisten überbewertete Buch der Saison. Wenn wir übrigens schon bei Werken von MTViva-Moderatorinnen sind, hätte ich da tatsächlich eine Empfehlung: “Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens” von Sarah Kuttner. Sehr intelligente Unterhaltung… ist mir kürzlich bei “Was liest Du” mit Jürgen von der Lippe untegekommen. Ein Blick in die Literaturliste der aktuellen Staffel und der langen Nacht lohnt übrigens. Da sind etliche Bücher dabei, die sich lohnen könnten - neben den bekannten Werken von Jan Weiler, Thommy Jaud und Harald Martenstein auch McCarthy’s Bar von Pete McCarthy. Frei nach der Devise “Lauf niemals an einem Pub vorbei, der deinen Namen trägt.” hat sich der Ire auf die Suche nach Kneipen gemacht, die McCarthy im Namen tragen. 

Mai 10

… und die Allgemeinbildung mancher Menschen in Sachen Erdkunde und Politik ist schon beachtlich. Die Briten sind aus der EU ausgetreten und Luxemburg gehört jetzt dem Warschauer Pakt an… wie schlecht ist es eigentlich um unsere Bildung bestellt. Dagegen ist es ja fast schon harmlos, dass eine ehemalige Mitschülerin von mir mal bei einer Verkehrsbefragung, als es darum ging, wohin derjenige fährt, auf die Aussage “Dorf im Warndt” nachfragte “Welches Dorf im Warndt?”. Zur Erklärung für alle Nicht-Saarländer: Dorf im Warndt ist eine gar nicht so unbekannte Gemeinde in der Nähe von Völklingen.

Mai 06

Eine Sternstunde der deutschen Fernsehgeschichte und ein hervorragendes Studienstück für (nicht nur angehende) Journalisten ist die Fußballübertragung von Jauch ein Reif aus Madrid vom 1. April (sic!) 1998. Da fiel nämlich das Tor schon buchstäblich vor dem Anpfiff und die beiden berichteten insgesamt rund eineinviertel Stunden über die Bemühungen der Spanier, das Tor wieder aufzurichten, damit das Spiel losgehen kann. Lustigerweise hatten Jauch und Reif dabei die besseren Quoten als beim Spiel selbst, das danach stattfand. Nachdem ich vor zwei Wochen (anlässlich der Besten deutschen Fernsehmomente) fand, dass man das mal nochmal sehen könnte, bin ich jetzt zumindest auf ein Hörbuch gestoßen (geschnitten auf knapp 45 Minuten) (hier bei Amazon). Schade, dass man offenbar die DVD-Rechte nicht bekommen hat, denn mit Bild wäre gerade eine solche Show natürlich noch reizvoller. Die Bilder gibt’s dafür bei Youtube (Teil 1, Teil 2 und Teil 3 - eine schöne Zusammenfassung gibt’s hier).

Apr 28

Heise berichtet über die Eröffnung des größten Journalismus-Museum weltweit. Irgendwie ist es schon befremdlich, dass der Journalismus ins Museum kommt. Aber andererseits: Irgendwo müssen unsere Kinder und Enkel einmal nachschauen können, was Journalisten mal gemacht haben. Dann wenn es nur noch Content-Manager gibt (wenn nicht sämtliche Prozesse ohnehin selbstgenerierend aus irgendwelchen Feeds gezogen werden), wenn nur noch Youtube-Videos über die Fernsehschirme flimmern (gibt’s bei Super-RTL schon jetzt) und wenn man mit irgendwelchen User-generierten Webseiten berieselt wird. Oder sehe ich das zu kritisch?

Schließlich gibt es auch Museen für Dinosaurier oder ausgestorbene
Tiere. Nun halt für den Journalismus….Post Mortem …..sozusagen.

Mrz 26

Die Bild-Zeitung ist seit dieser Woche in Berlin - und hat sich gleich mal unbeliebt gemacht. Bei den Kollegen der taz nämlich. Vor deren Redaktionseingang stand nämlich gestern ein großer Werbewagen mit der Botschaft “Liebe Kolleginnen von der taz, endlich kommen richtige Männer nach Berlin” (berichtet DWDL). Dass die taz darauf eine Antwort hat, steht außer Frage… welche, darauf sind wir gespannt. Gerüchteweise frotzeln die Kollegen dort, ein Bild-Mitarbeiter habe in der taz-Redaktion nach dem Weg zur Rudi-Dutschke-Straße gefragt (Hintergrund dazu bei Wikinews).

Okt 07

Dass ich inzwischen in der Paul-Gerhardt-Allee wohne, dürfte der eine oder andere ja schon mitbekommen haben. Schmunzeln musste ich jetzt, als ich meine Kirchensteuerrechnung von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern bekam… die schreiben doch tatsächlich an die Paul-Gebhardt-Allee - und das im Gerhardt-Jahr - sehr traurig, wenn nicht mal die einen ihrer größten Kirchendichter kennen - aber Geld haben wollen, das haben wir gern ;-(

Mrz 08

Der Bundestag will den deutschen Weinbauern zu besseren Chancen auf dem internationalen Markt verhelfen (meldet gerade SWR3 (ebenso hier). Deswegen soll die Lage “Mosel Saar Ruwer” ab sofort nur noch “Mosel” heißen. Na toll - das Saarland fällt mal wieder unter den Tisch. ;-)

Feb 14

Der ARD-Vorsiteznde Fritz Raff hat angekündigt, dass es ab 2008 eine Reihe namens “Radio-Tatort” geben wird (laut Phonostar). Das Konzept wird von der TV-Serie übernommen. Bin mal gespannt, wie sowas ankommt, ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, mal wieder ein paar Hörbücher zu veröffentlichen. Und handwerklich gute Hörspiele sind in den letzten Jahren ohnehin Mangelware geworden…

Feb 13

Ich hab’s ja immer geahnt: Die Vereinten Nationen sind ein Puppentheater… oder sehe ich das zu negativ? Jedenfalls findet in der Augsburger Puppenkiste derzeit eine Ausstellung “Vereinte Nationen Puppenspiel” statt. Okay okay, vielleicht ist es einfach nur ein Versuch, Kindern ein wenig Internationalität zu vermitteln. Würde mich aber trotzdem interessieren, wer in der UNO wirklich die Fäden in der Hand hat und ob wirklich alle Beteiligten Mariionetten sind. ;-)