Feb 17

Das Internet hat die Möglichkeiten vergrößert, abzukupfern. Es bringt aber auch die Gefahr mit sich, dabei enttarnt zu werden. Nun steht Karl Theodor zu Guttenberg am Pranger, weil er Teile seiner Doktorarbeit etwas zu wenig paraphrasiert übernommen haben soll. Einige Inhalte sollen auch von anderen stammen, etwa aus einem Vortrag, der für ihn geschrieben wurde. Den genauen Begleitumstände wird das Internet an den Tag bringen – es gibt schließlich genügend User, die aus Spaß an der Recherche oder aus politischem Antrieb ein Interesse an der rigorosen Aufklärung des Falls haben. Doch der Fall ist auch unabhängig von der politischen Tragweite, die er mit sich bringt, bemerkenswert. Ist es nun verwerflich, was der Minister von Copy und Paste da in seiner Doktorarbeit möglicherweise getan hat oder ist es an der akademischen Tagesordnung und eine lässliche Sünde?

Web-Sampling nennt man das Aneinanderreihen von Texten, die aus dem Internet zusammengeklau(b)t werden. Dass bereits Schüler (laut Lehrern) mit Hilfe solcher „Mashups“ ihre Hausaufgaben erledigen, ist ein schlechtes Zeichen, weil es einer Kultur Vorschub leistet, die unsere Gesellschaft früher bei anderen Nationalitäten (Stichwort Japan und China) angeprangert hat. Doch der Erfolg gibt ihnen Recht und wohl die wenigsten Lehrer sind offenbar in der Lage und gewillt, mal beim Kollegen Google ein paar prägnante Formulierungen einzugeben. Ich habe selbst erlebt, dass ein Politikstudent (!) in einem Hauptseminar an einer baden-württembergischen Universität seine Arbeit wörtlich und in ganzen Absätzen aus einem Standardwerk abgeschrieben hat. Er wurde lediglich enttarnt, weil er dies aus einem Werk tat, das der Dozent zuvor verteilt hatte.

Es täte dem wissenschaftlichen und außeruniversitären Betrieb gut, wenn eigene Ideenfindung wieder einen höheren Stellenwert bekäme. Dazu gehören allerdings auch gesetzliche Rahmenbedingungen, die geistiges Eigentum stärken und persönliche Ideen schützen.

Okt 31

Die Medientage 2009 sind vorbei und die Stimmung schwankt zwischen “hurra, wir überleben die Krise” bis hin zu “the best is yet to come”. Fast alle kriegen Dollarzeichen in den Augen, wenn’s um iPhone-Apps geht, weil ja die Zielgruppe in diesem Fall ausnahmsweise mal bereit sei, für ein Stück Software zu zahlen (was sogar im Spiegel stand und deswegen muss es ja so sein). Vielleicht geht die Rechnung ja auf, vielleicht werden sie auch eines Besseren belehrt. Denn einzelne Gadgets mögen ja tatsächlich ihren Programmierern Geld bringen (ähnlich wie es auch in der New Economy Firmengründer gab, die ihr Unternehmen an eine große Gruppe verkaufen konnten), das Gros wird aber meiner Auffassung nach eben nicht die große Kohle scheffeln, sondern allenfalls eigene Dienste und Sites pushen, was ja allerdings auch nicht schlecht ist.

Spannend waren wieder die beiden Gipfeltreffen - zumindest deren Key-Speeches. Eigentlich dachte ich ja zunächst bei Richard David Precht “was hat denn der mit solchen Themen zu tun?”, aber die Gedanken, die Precht beizutragen hatte, waren über weite Strecken interessant, wenn auch nicht in allen Punkten neu. Insbesondere die Idee der “systemrelevanten Medien” fand ich spannend - in Anlehnung an die systemrelevanten Banken, denen man ja auch die eine oder andere Staatshilfe gewährt. Zur Elefantenrunde am ersten Tag ist ansonsten nur zu sagen, dass sie  mit insgesamt 14 Gästen heillos überbesetzt war. So richtig kam da keiner zum Zug und allenfalls Markworts launige Sprüche machten die Sache erträglich.

Wie old-fashioned noch viele Medienentscheider denken, bemerkte man am zweiten Tag anlässlich des Printgipfels. Jeff Jarvis wurde krankheitsbedingt per Skype zugeschaltet (funktioniert hervorragend) - und seine Thesen (eigentlich nur eine gestraffte Fassung seines Buches “What would Google do?”) kamen offenkundig nicht bei allen Verlagsmanagern an. Anstatt sich Gedanken über den “struggle for public attention” zu machen, beharren einige der Podiumsteilnehmer darauf, dass “man was dagegen tun muss, dass Google an den eigenen Inhalten mitverdient”. Nein, liebe Leute: Seid froh, dass Google Euch die Zugriffe beschert und die Leute auf die eigene Site schickt. Nehmt lieber das Geld von der Straße, das da liegt (und damit meine ich nicht nur die 17 Euro, die Ihr für jeden Text von der VG Wort bekommt)… man kann sich nicht bei Schneefall darüber beschweren, dass man nass wird, man muss den Schlitten rausholen und schauen, dass man seinen Spaß hat. Interessant war übrigens auch, wie detailliert sich Jarvis offenbar in der deutschen Medienlandschaft auskennt… okay, er war bei den letzten zwei, drei DLDs, aber bemerkenswert ist das dennoch.

Jan 30

Dass sich in der aktuellen Situation nur noch wenige klar zu Printmedien bekennen, mussten wir diese Woche auf dem DLD in München hören. Auch wenn Hubert Burda klarstellte, dass mit Online derzeit nur Pennys zu verdienen seien (und das auch noch im Panel, das Focus-Online-Chefredakteur Jochen Wegner leitete), waren die meisten eher mit dem Festzurren der virutellen Rettungswesten und dem Verlassen des alten Tankers “Print” beschäftigt.

Geradezu wohltuend ist da schon die Werbung im aktuellen Kulturspiegel für den neuen Freitag (der sinnigerweise aber schon donnerstags in die Läden kommt). Ab sofort kann man nicht nur beim Fischhändler bestimmen, welchen Inhalt man in seiner Zeitung haben will… netter Slogan und ebenso interessantes Konzept, das Jakob Augstein da verfolgt. Ob sich das verkauft, bleibt abzuwarten - gerade einmal 12000 Exemplare hatte der Freitag in letzter Zeit umgesetzt und manches darin war alles andere als leicht verdaulich und wohlschmeckend.

Immerhin: Das rein linksintellektuelle Blatt will man nicht mehr sein und das ist angenehm und vernünftig gleichermaßen. Schließlich braucht Deutschland nicht bloß Linke, die unsere Zukunft konstruktiv mitgestalten wollen.  Ob Jakob Augstein das “Mitmach-Medium” (so beschreibt er es im Standard), an dem nicht nur Journalisten mitarbeiten sollen, wirklich realisieren kann, bleibt abzuwarten. Erfrischend anders könnte das jedenfalls werden, was wir ab kommende Woche zu lesen bekommen. (Kursivsetzung nachträglich - s. Kommentare, tw)

Jan 23

Beispiel Bruce Springsteen: Ja, ich weiß, ich bin offenbar einer der letzten, der sich für den 80er-Jahre-Stadion-Rocker überhaupt noch interessiert (gut - mit Ausnahme von Kai Carsten). Das neue Album “Working on a dream”, das heute in die Läden kommt (und derzeit bei Amazon und Media Markt für knapp 9 Euro rumsteht), ist besser als die letzten drei, vier Alben. Aber das will ja nichts heißen. Das wäre so wie wenn man sagt “das letzte Bob-Dylan-Album ist besser als die neue Single von Wolfgang Petry”. Alles in allem viel gepflegte Langeweile, nette Popsongs (früher hätte er sich für eine solche Charakterisierung geschämt), mehr auch nicht. Von Altersmilde sprachen die Rezensenten bei SWR3. Das mag stimmen, aber kann man nicht auch in Würde alt werden?! Alles in allem kein Meilenstein, aber für einen Spitzenplatz in den Charts reicht’s sicher dennoch - zumal die Welt ja gerade im Obama-Hype ist und der Boss eben jenen spirit immer noch ganz gut rüberbringt.

Fazit: Eigentlich hätte er nach der “Plugged”-CD Mitte der 90er aufhören sollen… oder spätestens nach der “Ghost of Tom Joad” - aber wahrscheinlich haben die Tantiemen nicht gereicht.

Jan 13

Im Rahmen der Sendung “Freistil” beleuchtete kürzlich der Deutschlandfunk in einem einstündigen Feature (von Achim Hahn und Susanne Luerweg) die Szene. Das Feature ist offenbar leider nicht als Podcast erhältlich (oder doch?), aber sehr unterhaltsam - achtet auf Wiederholungen! Neu war mir, dass es inzwischen eine Musikrichtung namens Nerdcore gibt, die so irgendwo zwischen Hiphop und Welle Erdball (LOL! die bezeichnen ihre Musik als Bitpop) angesiedelt ist.

Wie weit manche Nerds gehen, zeigt Spiegel online in einem Artikel über tatowierte Logos.  Die spinnen doch alle komplett!

Dez 03

Die Firma Canon hat ein lustiges Gewinnspiel für Journalisten, genauer für Redaktionen, gestartet: Man soll seinen Redaktionskühlschrank knipsen, die Bilder auf eine Canon-Site stellen und dann abstimmen, welches der vollste, lustigste, ekligste… was weiß ich… Kühlschrank ist. Zu gewinnen gibt es neben einem vollen Kühlschrank Crémant (1. Preis) auch “eine Kühlschrankfüllung mit echten schwäbischen Tannenzäpfle” (3. Preis)…

Stutzt Ihr auch? Gut… ich bin beruhigt! Schließlich kommt das Beste aller Biere mitnichten aus Schwaben (wäre ja wohl noch schöner), sondern aus Baden, genauer aus der Badischen Staatsbrauerei Rothaus. Die kam übrigens gerade vergangenen Monat bei Frank Plasbergs Hart aber fair als Beispiel für ein gänzlich unglobalisiertes Unternehmen vor. Vielleicht ist das der Grund, warum das Zäpfle derzeit so angesagt ist und einen ähnlichen Status genießt wie Augustiner oder Tegernseer.

Und die Pressestelle von Canon, die übrigens in Krefeld sitzt, darf sich rehabilitieren durch dreimaliges Absingen des Badnerliedes… gerne auch mit einigen Zusatzstrophen.

Okt 19

Kathrin Passig und Sascha Lobo (den ich vor einigen Wochen auf einer sterbenslangweiligen Pressekonferenz kennenlernen durfte, auf der er mir aber auch nicht hinreichend erklären konnte, was an Twittern so geil ist) haben ein neues Buch geschrieben: Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin. Sascha Lobo, wir erinnern uns, das ist der von “Wir nennen es Arbeit“, einem Buch zur Generation P(rojektarbeit) mit nettem Ansatz, dem hundert Seiten weniger aber richtig gut getan hätten. Kathrin Passig, das ist die mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis… Nunja, wie das neue Buch von Passig und Lobo ist, weiß ich noch nicht - es liegt noch ungelesen hier rum - was aber jetzt schon ziemlich klasse ist, ist der Spot zum Buch, der gleichzeitig auch der Einstieg ist und bei Youtube steht. Seht selbst.

Okt 17

Bin heute zufällig auf eine Site gestoßen, die beweist, dass die Grundidee von Blogs nicht erst 2002 oder 2003 entstanden ist. Der RundbriefUSA existiert schon seit 1996. Hier beschreiben Michael und Angelika Schilli, die in San Francisco leben, sehr kurzweilig und interessant, wie das Leben an der Westküste “aus deutscher Sicht” so ist. Das weckt schon Fernweh - zumindest so lange bis man von den Mietpreisen dort liest. Wie dem auch sei: Reinschauen lohnt sich! Schade, dass die beiden immer noch darauf warten, dass jemand von der Redaktion des Magazins der Süddeutschen Zeitung bei ihnen mit dem Angebot anruft, für das famose Blatt eine Kolumne zu schreiben.

Okt 17

… soll man Aktien nachkaufen. So zeigt sich auch Google-Gründer Sergej Brin zuversichtlich. Google mache, so Brin, in Krisenzeiten besonders gute Geschäfte. Berichtet die taz, die sich auf AP beruft und auch weiß, dass der Suchmaschinengigant den übermäßigen Appetit seiner Mitarbeiter zu bändigen sucht. Allerdings hat Brin die Rechunng ohne den Wirt, sprich: die Anleger, gemacht. Die Google-Aktie hat in den letzten 12 Monaten immerhin ein Dritel ihres Wertes verloren. Wenn das mal kein guter Grund zum (Nach-)Kaufen ist. Oder um mit Warren Buffett zu sprechen: “Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.

Okt 16

Wie blöde kann man eigentlich sein? Der WDR verschickt eine Pressemitteilung mit dem Hinweis “!!! Sperrfrist beachten!!! NDR-Reporter Eric Friedler erhält Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2008 – Sperrfrist für alle Medien: Donnerstag, 19 Uhr!”. Das Lustige daran: Sie stellen das Ding nicht nur schon heute öffentlich ins Internet, sondern die Meldung ist auch nicht wirklich neu. Der Reporter Fiedler erwähnt die Preisverleihung bereits in einem Interview im Kölner Stadtanzeiger (gefunden im Jonet). Das ist ja fast so lächerlich wie die unselige Praxis einiger Unternehmen, Journalisten vorher seitenlange Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen zu lassen - übrigens eine Praxis aus dem amerikanischen Raum, die hierzulande kaum rechtlich bindend ist. Nichts gegen Sperrfristen, wenn sie wirklich helfen, dass man als Journalist etwas Vorlaufzeit hat (gerade bei Printmedien sehr sinnvoll). Aber doch bitte nicht dieses “pssst, ich sag’ Dir jetzt was ganz Geheimes”, wenn’s längst bekannt ist.