Das Internet hat die Möglichkeiten vergrößert, abzukupfern. Es bringt aber auch die Gefahr mit sich, dabei enttarnt zu werden. Nun steht Karl Theodor zu Guttenberg am Pranger, weil er Teile seiner Doktorarbeit etwas zu wenig paraphrasiert übernommen haben soll. Einige Inhalte sollen auch von anderen stammen, etwa aus einem Vortrag, der für ihn geschrieben wurde. Den genauen Begleitumstände wird das Internet an den Tag bringen – es gibt schließlich genügend User, die aus Spaß an der Recherche oder aus politischem Antrieb ein Interesse an der rigorosen Aufklärung des Falls haben. Doch der Fall ist auch unabhängig von der politischen Tragweite, die er mit sich bringt, bemerkenswert. Ist es nun verwerflich, was der Minister von Copy und Paste da in seiner Doktorarbeit möglicherweise getan hat oder ist es an der akademischen Tagesordnung und eine lässliche Sünde?
Web-Sampling nennt man das Aneinanderreihen von Texten, die aus dem Internet zusammengeklau(b)t werden. Dass bereits Schüler (laut Lehrern) mit Hilfe solcher „Mashups“ ihre Hausaufgaben erledigen, ist ein schlechtes Zeichen, weil es einer Kultur Vorschub leistet, die unsere Gesellschaft früher bei anderen Nationalitäten (Stichwort Japan und China) angeprangert hat. Doch der Erfolg gibt ihnen Recht und wohl die wenigsten Lehrer sind offenbar in der Lage und gewillt, mal beim Kollegen Google ein paar prägnante Formulierungen einzugeben. Ich habe selbst erlebt, dass ein Politikstudent (!) in einem Hauptseminar an einer baden-württembergischen Universität seine Arbeit wörtlich und in ganzen Absätzen aus einem Standardwerk abgeschrieben hat. Er wurde lediglich enttarnt, weil er dies aus einem Werk tat, das der Dozent zuvor verteilt hatte.
Es täte dem wissenschaftlichen und außeruniversitären Betrieb gut, wenn eigene Ideenfindung wieder einen höheren Stellenwert bekäme. Dazu gehören allerdings auch gesetzliche Rahmenbedingungen, die geistiges Eigentum stärken und persönliche Ideen schützen.