Selten hat man einen Firmenchef gehört, der so klare und zugleich selbstkritische Worte gegenüber seinen Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern findet. Mit einer brennenden Ölplattform verglich der neue Nokia-CEO Stephen Elop das Unternehmen, das es seit 2007 nicht geschafft habe, Apple etwas nur annähernd iPhone-Ähnliches entgegenzusetzen. Und kündigte gleichzeitig die Aufholjagd an, verbunden mit einer Abkehr von Symbian (und teilweise auch Meego), dafür aber mit Microsoft und deren Betriebssystem Windows Phone 7. Das klingt auf den ersten Blick vernünftig – schließlich kommt Elop von Microsoft und verfügt dort über beste Kontakte. Aber ist es wirklich die Lösung, wenn sich zwei Verspätete ein Taxi teilen, nachdem der Zug schon abgefahren ist?
Leicht wird es für die Finnen nicht werden, die verlorenen Jahre aufzuholen. Apple hat das eindeutig schickere Produkt und hat wie kein anderes Unternehmen verstanden, nicht nur die Geräte an den Mann zu bringen, sondern zugleich auch noch mit dazugehörigen Mini-Anwendungen und Medieninhalten Geld zu verdienen. Google wiederum hat mit Android die offene, sympathische Plattform geschaffen, die so vielfältig und ausbaufähig scheint wie man sich das als Entwickler nur wünschen kann. Und Microsoft? Das Unternehmen aus Redmond hat lange Jahre geschlafen und auch mit Windows Phone 7 allenfalls ein Betriebssystem präsentiert, das zwar vieles auch kann, was die anderen können, aber in keiner Hinsicht so wirklich vorne mit dabei ist. Ein netter Versuch, mit dem Markt Schritt zu halten, mehr nicht.
Auch wenn derzeit offenbar viele Handygeschäfte gezielt die Microsoft-Handys an den Mann bringen sollen („welches Betriebssystem nutzen Sie denn sonst? – Oh Windows, ja dann habe ich hier für Sie das passende Telefon“ – selbst gehört und kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen), bleibt noch viel zu tun. Aus zwei kleinen App-Portalen wird noch lange kein großes und ob sich Nokia einen Gefallen tut, wenn man sich in die Abhängigkeit von Microsoft begibt, ist fraglich. Schließlich bindet sich Nokia damit ein Stück weit an Microsoft, während die Redmonder möglicherweise recht spontan ihren Gerätelieferanten wechseln könnten, wenn ihnen das skandinavische Unternehmen, das in den USA bislang keinen Fuß auf die Erde bekam (Marktanteil unter 5%, eher weniger), nicht mehr passend erscheint.
Mein Fazit: 1 und 1 ist oftmals eben nicht 2 und die Allianz zwischen Nokia und Microsoft könnte neben Stellenstreichungen auch für die beiden Unternehmen neue Probleme schaffen. Bei billigen Handys ist Nokia immer noch vorne mit dabei, weil man sich an die Bedienung gewöhnt hat, bei Smartphones sind Android und Apple iOS sicherlich auch mittelfristig die bessere Wahl, gerade wenn man sich die Entwicklungen rund um Android 3.0 und die dazu passenden Geräte dieser Tage in Barcelona anschaut.