Nov 08

Dass hier in den letzten Monaten nicht mehr viel los ist, wird der geneigte Leser mitbekommen haben. Der Gründe sind privater Natur (ich habe kürzlich geheiratet), beruflicher Natur (ich werde demnächst nach mehr als zehn Jahren der PC-Welt Lebewohl sagen und beim Verlag Werben & Verkaufen das neue Magazin Lead Digital mit auf- und ausbauen) und nicht zuletzt auch in der Entwicklung des Internet zu suchen (Facebook, Twitter und andere Microblogging-Dienste sind einfach im Moment deutlich spannender und schneller als ein herkömmliches Blog).

In den letzten Monaten habe ich mich außerdem intensiver mit Webradio-Streams beschäftigt - dabei ist der Laut.fm-Netzjournalist-Stream herausgekommen. Wer ansonsten Fragen zu diesem Thema (auch zu Dienstleistern wie Pop-Stream hat), kann sich gerne an mich wenden. Den Stream findet Ihr hier auch in der Seitenleiste…

Jun 13

Die Deutsche Presseagentur meldete am Wochenende “Viele EHEC-Tote werden nicht mehr ganz gesund”. Das kommt vor, ist dann peinlich, weil’s zeigt, dass der Dienst habende Redakteur wohl etwas zu schnell auf den “Veröffentlichen”-Button gedrückt hat und besser nochmal gelesen hätte, was er da verzapft.

Noch viel peinlicher aber ist, dass man bei einer einfachen Google-Suche mehr als hundert (!) seriöse Presseorgane findet, die den Käse einfach so übernommen haben (zumeist automatisch), darunter Stern, Focus, Augsburger Allgemeine, Süddeutsche Zeitung, Südkurier, Frankfurter Rundschau, n-tv und diverse andere… (Update: Einige Sites haben inzwischen zu “EHEC-Kranke” korrigiert, was sich aber erwartungsgemäß in den Suchergebnisseite von Google noch nicht findet, da eine erneute Erfassung durch den Robot noch nicht erfolgt ist.)

So oder so -der Fall zeigt mal wieder, wie gleichgeschaltet (ja, ich verwende den Begriff mit Bedacht, aber bewusst) die Presselandschaft inzwischen ist. Ein Dienst wie Google-News fördert sowas noch zusätzlich, weil eine Meldung dort höher gewertet wird, wenn sie in möglichst großer Zahl in ähnlicher oder gleicher Form auf mehreren Sites auftaucht. Diskussionen um Leistungsschutzrecht für Presseorgane bekommen angesichts derartigen “Qualitatsjournalismus” ein Geschmäckle…

PS: Mal schauen, ob’s die Geschichte in den nächsten Hohlspiegel schafft…

Feb 17

Das Internet hat die Möglichkeiten vergrößert, abzukupfern. Es bringt aber auch die Gefahr mit sich, dabei enttarnt zu werden. Nun steht Karl Theodor zu Guttenberg am Pranger, weil er Teile seiner Doktorarbeit etwas zu wenig paraphrasiert übernommen haben soll. Einige Inhalte sollen auch von anderen stammen, etwa aus einem Vortrag, der für ihn geschrieben wurde. Den genauen Begleitumstände wird das Internet an den Tag bringen – es gibt schließlich genügend User, die aus Spaß an der Recherche oder aus politischem Antrieb ein Interesse an der rigorosen Aufklärung des Falls haben. Doch der Fall ist auch unabhängig von der politischen Tragweite, die er mit sich bringt, bemerkenswert. Ist es nun verwerflich, was der Minister von Copy und Paste da in seiner Doktorarbeit möglicherweise getan hat oder ist es an der akademischen Tagesordnung und eine lässliche Sünde?

Web-Sampling nennt man das Aneinanderreihen von Texten, die aus dem Internet zusammengeklau(b)t werden. Dass bereits Schüler (laut Lehrern) mit Hilfe solcher „Mashups“ ihre Hausaufgaben erledigen, ist ein schlechtes Zeichen, weil es einer Kultur Vorschub leistet, die unsere Gesellschaft früher bei anderen Nationalitäten (Stichwort Japan und China) angeprangert hat. Doch der Erfolg gibt ihnen Recht und wohl die wenigsten Lehrer sind offenbar in der Lage und gewillt, mal beim Kollegen Google ein paar prägnante Formulierungen einzugeben. Ich habe selbst erlebt, dass ein Politikstudent (!) in einem Hauptseminar an einer baden-württembergischen Universität seine Arbeit wörtlich und in ganzen Absätzen aus einem Standardwerk abgeschrieben hat. Er wurde lediglich enttarnt, weil er dies aus einem Werk tat, das der Dozent zuvor verteilt hatte.

Es täte dem wissenschaftlichen und außeruniversitären Betrieb gut, wenn eigene Ideenfindung wieder einen höheren Stellenwert bekäme. Dazu gehören allerdings auch gesetzliche Rahmenbedingungen, die geistiges Eigentum stärken und persönliche Ideen schützen.

Feb 14

Selten hat man einen Firmenchef gehört, der so klare und zugleich selbstkritische Worte gegenüber seinen Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern findet. Mit einer brennenden Ölplattform verglich der neue Nokia-CEO Stephen Elop das Unternehmen, das es seit 2007 nicht geschafft habe, Apple etwas nur annähernd iPhone-Ähnliches entgegenzusetzen. Und kündigte gleichzeitig die Aufholjagd an, verbunden mit einer Abkehr von Symbian (und teilweise auch Meego), dafür aber mit Microsoft und deren Betriebssystem Windows Phone 7. Das klingt auf den ersten Blick vernünftig – schließlich kommt Elop von Microsoft und verfügt dort über beste Kontakte. Aber ist es wirklich die Lösung, wenn sich zwei Verspätete ein Taxi teilen, nachdem der Zug schon abgefahren ist?

Leicht wird es für die Finnen nicht werden, die verlorenen Jahre aufzuholen. Apple hat das eindeutig schickere Produkt und hat wie kein anderes Unternehmen verstanden, nicht nur die Geräte an den Mann zu bringen, sondern zugleich auch noch mit dazugehörigen Mini-Anwendungen und Medieninhalten Geld zu verdienen. Google wiederum hat mit Android die offene, sympathische Plattform geschaffen, die so vielfältig und ausbaufähig scheint wie man sich das als Entwickler nur wünschen kann. Und Microsoft? Das Unternehmen aus Redmond hat lange Jahre geschlafen und auch mit Windows Phone 7 allenfalls ein Betriebssystem präsentiert, das zwar vieles auch kann, was die anderen können, aber in keiner Hinsicht so wirklich vorne mit dabei ist. Ein netter Versuch, mit dem Markt Schritt zu halten, mehr nicht.

Auch wenn derzeit offenbar viele Handygeschäfte gezielt die Microsoft-Handys an den Mann bringen sollen („welches Betriebssystem nutzen Sie denn sonst? – Oh Windows, ja dann habe ich hier für Sie das passende Telefon“ – selbst gehört und kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen), bleibt noch viel zu tun. Aus zwei kleinen App-Portalen wird noch lange kein großes und ob sich Nokia einen Gefallen tut, wenn man sich in die Abhängigkeit von Microsoft begibt, ist fraglich. Schließlich bindet sich Nokia damit ein Stück weit an Microsoft, während die Redmonder möglicherweise recht spontan ihren Gerätelieferanten wechseln könnten, wenn ihnen das skandinavische Unternehmen, das in den USA bislang keinen Fuß auf die Erde bekam (Marktanteil unter 5%, eher weniger), nicht mehr passend erscheint.

Mein Fazit: 1 und 1 ist oftmals eben nicht 2 und die Allianz zwischen Nokia und Microsoft könnte neben Stellenstreichungen auch für die beiden Unternehmen neue Probleme schaffen. Bei billigen Handys ist Nokia immer noch vorne mit dabei, weil man sich an die Bedienung gewöhnt hat, bei Smartphones sind Android und Apple iOS sicherlich auch mittelfristig die bessere Wahl, gerade wenn man sich die Entwicklungen rund um Android 3.0 und die dazu passenden Geräte dieser Tage in Barcelona anschaut.

Aug 14

Die Hysterie um den Google-Dienst Street View nimmt langsam groteske Formen an. Ministerin Ilse Aigner wettert gegen Googles Raubrittertum und Hausbesitzer verbitten sich das Ablichten des eigenen Hauses in Google Street View. Es sind im Zweifelsfall die gleichen, die bei jedem gammeligen Gewinnspiel ihre Adresse hergeben, zwei bis drei Kundenkarten ihr Eigen nennen und auch ansonsten auch nicht daran stören, wenn sie im Kleingedruckten diverser Verträge zustimmen, dass sogar ihre Daten an Dritte weitergegeben werden dürfen.

Entschuldigung, aber das ist schlichtweg paranoid. Ich sehe viel besser (und das seit Jahren über den Bird’s View von Bing Maps), wer was in seinem Garten hat und wie groß einige Grundstücke im Pasinger Villenviertel sind (beachtlich!!). Darüber hat sich aber noch niemand erregt und die Verpixelung seines Grundstückes gefordert.

Erinnert sich eigentlich noch jemand an D-Sat, eine Software (ohne Internetdienst!), die vor rund zehn Jahren auch versprach, dass man ganze Straßenansichten sehen könnte? Damals berichteten RTL-Nachtjournal und das Heute-Journal darüber und unkten, auf diese Weise könnten Einbrecher in aller Ruhe ausspionieren, wo was zu holen ist und wo sich ein Einbruch lohnt.

Wer sich mal wirklich darüber informieren will, was Google Street View kann und warum es Spaß macht, sich irgendwo umzusehen, wo man sonst nicht unbedingt hinkommt, der kann hier oder hier nachschauen. Übrigens muss man nach den bösen Google-Autos im Moment gar nicht Ausschau halten - die 20 betroffenen Städte hat Google längst im Kasten.

Jan 12

Da ich am Wochenende einige Anregungen und Nachfragen zu meiner Süd-Post-Geschichte bekommen habe, will ich Euch auch nicht die Auflösung vorenthalten: Habe dort also jetzt mal angerufen und gefragt, ob sie irgendwie ein Motivationsproblem bei einigen Mitarbeitern hätten. War der Dame am Telefon relativ peinlich und ich wurde gebeten, Ihr doch die Laufnummern der Briefe zu nennen. Hab’ ich dann getan und ihr gleich noch gesagt, dass es bei uns in der Nachbarschaft einen Süd-Post-Briefkasten gibt… war sie regelrecht begeistert und meinte, ob sie mich einstellen könnte. Wenn das also mal nichts mehr mit dem Journalismus wird oder ich mir einen Arbeitsplatz mit mehr frische Luft wünsche… Naja, vorerst habe ich mal abgesagt. ;-)

Jan 08

Faszinierend, was man so alles in seinem Briefkasten findet. Sechs Briefe landeten heute bei mir, allesamt nicht für mich bestimmt, allesamt vom Post-Konkurrenten Süd-Post, der gerade mit der „neuen sympathischen Art der Zustellung“ wirbt. Nunja, sympathisch ist es vielleicht schon, wenn ich auf die Weise endlich meine Umgebung kennenlerne, aber ist das auch im Sinne der Empfänger (siehe Bild) und der Absender? Immerhin: 3x Handynetzbetreiber O2, 2x das Finanzamt München und 1x ein Versicherungsmakler namens Trowe. Ob wohl auch irgendwas in den letzten Tagen und Wochen an mich gehen sollte, das jetzt bei jemand anderem liegt, der es kopfschüttelnd in den Papierkorb entsorgt hat (bestenfalls) oder meine Finanzamts-Schreiben gelesen hat (nein, wohl nicht, sonst wäre er vorbeigekommen und hätte mir mindestens einen ausgegeben ;-) ).

Liebe Leute von der Süd-Post: Abgesehen davon, dass das eigentlich ein Fall ist, der in die Münchner Medien gehört (AZ, SZ, tz, Merkur, will jemand??) frage ich mich, was ich jetzt mit dem Zeug machen soll. Auf den Briefkasten legen wird nichts nützen – der freundliche Post-Briefträger wird’s sicher nicht mitnehmen wollen (warum sollte er auch die Arbeit der Konkurrenz erledigen). Ich glaube, das wird ein freundlicher Anruf bei der Süd-Post-Pressestelle werden… Eins weiß ich in jedem Fall sicher: So unzuverlässig ja manchmal die „richtige“ Post ist – das ist aber noch deutlich besser als die noch sparsamere Konkurrenz.

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Okt 31

Die Medientage 2009 sind vorbei und die Stimmung schwankt zwischen “hurra, wir überleben die Krise” bis hin zu “the best is yet to come”. Fast alle kriegen Dollarzeichen in den Augen, wenn’s um iPhone-Apps geht, weil ja die Zielgruppe in diesem Fall ausnahmsweise mal bereit sei, für ein Stück Software zu zahlen (was sogar im Spiegel stand und deswegen muss es ja so sein). Vielleicht geht die Rechnung ja auf, vielleicht werden sie auch eines Besseren belehrt. Denn einzelne Gadgets mögen ja tatsächlich ihren Programmierern Geld bringen (ähnlich wie es auch in der New Economy Firmengründer gab, die ihr Unternehmen an eine große Gruppe verkaufen konnten), das Gros wird aber meiner Auffassung nach eben nicht die große Kohle scheffeln, sondern allenfalls eigene Dienste und Sites pushen, was ja allerdings auch nicht schlecht ist.

Spannend waren wieder die beiden Gipfeltreffen - zumindest deren Key-Speeches. Eigentlich dachte ich ja zunächst bei Richard David Precht “was hat denn der mit solchen Themen zu tun?”, aber die Gedanken, die Precht beizutragen hatte, waren über weite Strecken interessant, wenn auch nicht in allen Punkten neu. Insbesondere die Idee der “systemrelevanten Medien” fand ich spannend - in Anlehnung an die systemrelevanten Banken, denen man ja auch die eine oder andere Staatshilfe gewährt. Zur Elefantenrunde am ersten Tag ist ansonsten nur zu sagen, dass sie  mit insgesamt 14 Gästen heillos überbesetzt war. So richtig kam da keiner zum Zug und allenfalls Markworts launige Sprüche machten die Sache erträglich.

Wie old-fashioned noch viele Medienentscheider denken, bemerkte man am zweiten Tag anlässlich des Printgipfels. Jeff Jarvis wurde krankheitsbedingt per Skype zugeschaltet (funktioniert hervorragend) - und seine Thesen (eigentlich nur eine gestraffte Fassung seines Buches “What would Google do?”) kamen offenkundig nicht bei allen Verlagsmanagern an. Anstatt sich Gedanken über den “struggle for public attention” zu machen, beharren einige der Podiumsteilnehmer darauf, dass “man was dagegen tun muss, dass Google an den eigenen Inhalten mitverdient”. Nein, liebe Leute: Seid froh, dass Google Euch die Zugriffe beschert und die Leute auf die eigene Site schickt. Nehmt lieber das Geld von der Straße, das da liegt (und damit meine ich nicht nur die 17 Euro, die Ihr für jeden Text von der VG Wort bekommt)… man kann sich nicht bei Schneefall darüber beschweren, dass man nass wird, man muss den Schlitten rausholen und schauen, dass man seinen Spaß hat. Interessant war übrigens auch, wie detailliert sich Jarvis offenbar in der deutschen Medienlandschaft auskennt… okay, er war bei den letzten zwei, drei DLDs, aber bemerkenswert ist das dennoch.

Sep 11

Schon seit etlichen Jahren verkauft Amazon seine Rückläufer über die eigene Marketplace-Plattform unter dem Händlernamen “Resterampe“. Da das wohl den Marketing-Strategen zu sehr nach Ramsch und nicht wertig genug klang, hat man jetzt den Shop in “Warehouse Deals” umbenannt - die alten Links funktionieren aber weiterhin als Weiterleitung. Auch ansonsten ändert sich nichts: Weiterhin gibt’s hier Restposten, Einzelstücke und Rücksendungen (teilweise mit kleinen Schönheitsfehlern) zu reduzierten Preisen. Wie gewohnt hat der Kunde je nach Warengruppe 14-30 Tage Umtauschrecht (14 Tage durch Fernsabsatzrecht, den Rest auf freiwilliger Basis).

Sep 10

Ein Manifest sollte es sein, was die Damen und Herren Alphajournalisten und -blogger (Niggemeier, Sixtus, Lobo, Passig und Co., die üblichen Verdächtigen halt) da dieser Tage von sich gegeben haben. Als Antwort auf die Heidelberger Erklärung und die Hamburger Erklärung war es  gedacht, als Replik auf alles, was die “Internet-Ausdrucker”, also die Leute, die ihrer Meinung nach vom Netz keine Ahnung haben, von sich gegeben haben. Herausgekommen ist eine sagen wir halbgare Sammlung an wenig überraschenden Wahrheiten, einige Platituden und Meinungen. “17 Behauptungen” darüber, “wie Journalismus heute funktioniert” heißt es im Untertitel und das ist auch treffender.

Ein Diskussionspapier mag es gerne sein, doch die Autoren führen gerade eindrucksvoll vor, warum es eben nicht funktioniert, ein solches Diskussionspapier in ein Wiki zu stellen. dass das Internet eben doch kein so demokratisches Medium ist, wie sie es gerne hätten. Es sei schon schwierig genug gewesen, fünfzehn Leute unter einen Hut zu bringen, lassen die Autoren wissen.

Aber gehen wir doch mal Punkt für Punkt durch…

These 1: Selbstverständlich - daran zweifelt auch niemand. Die Frage ist vielmehr, wie die etablierten Medien das umsetzen wollen und können.

These 2: Das klingt mir zu sehr nach Aufhebung des Gatekeeper-Gedankens… ist zwar sicherlich richtig, aber nur die halbe Wahrheit: Es bleibt nicht nur die journalistische Qualität, die zu Aufmerksamkeit führt, sondern der Markenaspekt wird unterschlagen. Eine Marke, die als Print- oder AV-Marke funktioniert hat, wird es auch im Netz leichter haben.

These 3: Das ist dann schon mal einer der Hauptkritikpunkte, die ich äußern möchte. Eine solche Einschätzung spiegelt nicht die Realität des Jahres 2009 wider, sondern allenfalls die des Jahres 2015 (und vielleicht noch nicht mal die, warten wir’s ab). Fragt doch mal Lehrer, wie viele ihrer Schüler in der Oberstufe nicht wissen, was ein Blog ist. Fragt Menschen jenseits der 50, ob sie mit sozialien Netzwerken etwas anfangen können (und gebt ihnen möglichst noch den Begriff Xing dazu).

These 4: Klares Ja. Zugangssperren bringen nur denen Ärger, die technisch nicht so ganz auf der Höhe sind. Die, die für die sie eigentlich gedacht sind, werden sie dagegen immer umgehen können. Versprochen!

These 5: Das ist ein klares Argument für Medienhäuser und Special-interest-Blogs und -portale. Der Großteil der Nutzer ordnet nämlich nicht seine Informationen selbst, er klickt auf zwei, drei Seiten - möglicherweise die, die er aus der Offline-Welt auch kennt. Der bewusste Mediennutzer, der RSS-Feeds aggregiert, Twitter-Feeds liest und Informationen ordnet - das sind sehr wenige.

These 6: Klingt schön - ob’s auch so kommt, können wir nur hoffen. Ich hätte mich eher auf das “verändert” als auf das “verbessert” eingelassen.

These 7: Ja, klar. Könnten sich bitte die Verlagsleiter und Chefredakteure das in Gold rahmen und dreimal täglich vorbeten? Ich denke da vor allem an Hans-Jürgen Jakobs von der Süddeutschen, der noch auf dem diesjährigen Süddeutschen Journalistentag des DJV gegen die Verlinkerei wetterte und Ideen wie Perlentaucher.de anprangerte, die ihm angeblich das Geschäft kaputtmachen. Er zog dann noch die Parallele zu “denen da in Schweden” (gemeint waren die Piratebay-Betreiber, die in derselben Woche verurteilt worden waren). Spätestens da wurde klar, dass er Äpfel mit Birnen vergleicht und den medialen Sprung ins 21. Jahrhundert noch vor sich hat.

These 8: Keine Diskussion und volle Zustimmung

These 9: Sicher richtig, wobei wir uns von dem Bild der elektronischen Agora (Rheingolds Thesen aus den 90ern) endlich verabschieden müssen. Das Internet ist ohne Einflussnahme durch z. B. Medien per se auch nicht demokratischer als andere Medien vor ihm - bevorzugt sind die, die den Kampf um Aufmerksamkeit gewinnen, auch wenn die Mittel andere sind (SEO, Online-Marketing, virales Marketing etc.).

These 10: Auch kein Punkt über den man streiten muss, wobei das Meßinstrument für guten Journalismus noch nicht gefunden ist - das wird Bloggern immer wieder deutlich, wenn sie sich zum Beispiel bei den Messegesellschaften akkreditieren müssen (namentlich Hannover).

These 11: Es hat wohl auch niemand vor, Informationen zu unterbinden. Sicher ist aber, dass das Mehr an Informationen eher dazu führt, dass wichtige Informationen auf der Strecke bleiben. Das knüpft eigentlich nahtlos an These 5 an. Wichtig ist der Sortierer, der Aggregierer.

These 12: Ein klares Argument gegen einen gebührenfinanzierten Rundfunk, der sich mehr als programmbegleitend auf’s Netz auswirkt. Das Heulen der Verleger, Google enteigne sie, ist hier gänzlich unangebracht, peinlich und unverständlich. Das Internet ist ein freier Markt und dem haben sich die Marktteilnehmer zu stellen. Den sozialen Charakter der sozialen Marktwirtschaft kann es allenfalls durch die Anwender geben, nicht durch irgendwelche Regularien von Regierungen und NGOs. Was würde Google tun, wenn in Deutschland Gesetze irgendwelche Abgaben vorsähen? Das Unternehmen ginge ins Ausland und würde von dort aus weitermachen (fragt mal Elby/Slysoft zu dem Thema). Mit nationalen Gängelungen und Reglementierungen ist im Netz (zumindest in dieser Hinsicht) niemandem beizukommen.

These 13: Hier würde ich vor allem den ersten Gedanken unterschreiben. Wenn jemand mein Ebay-Bild für seine Auktion verwendet - so what? Aber mein geistiges Eigentum muss auch meines bleiben, bzw. muss ich als Urheber hierauf Einfluss haben, was damit geschieht. Die Verlage sind hier kein gutes Vorbild, das kann jeder Autor und freie Journalist am eigenen Leibe erfahren. Mehr sog’ i net.

These 14: Klares Ja - Aufruf an Verlage und Medienunternehmen: Seid kreativ! Schaut, was funktioniert und was nicht! War in den Anfangsjahren des Rundfunks auch nicht anders.

These 15: Das stimmt so nicht - ich würde umformulieren: Was im Netz ist, ist schlechter steuerbar. Es kann dort bleiben,verschwinden oder Dir aus der Hand genommen werden, indem es kopiert und weiterverwendet wird. Darauf verlassen sollten sich die Historiker jedenfalls nicht, dass Netzinhalte auch in 2, 20 oder 200 Jahren noch auffindbar sind.

These 16: Das ist eine schöne, romantische Vorstellung (die ich auch teile, dafür bin ich Journalist mit einem Anspruch geworden). Aber wir müssen uns auch klar darüber sein, dass der Qualitätsbegriff nicht immer zieht, dass es noch andere Waffen im Kampf um Aufmerksamkeit gibt, die weitaus durchschlagender sind. Ich sehe da vor allem bestehende Marken und “niedere Instinkte” des Rezipienten. Wer etwas anderes behauptet, soll sich bitte die Klickzahlen von Bilderstrecken und anderen Gaga-Formaten ansehen. Das ist übrigens auch in den alten Medien (Zeitung, Zeitschrift, Fernsehen, Hörfunk) nicht anders: Leichtverdauliches schlägt regelmäßig anspruchsvolle Inhalte, so bedauerlich das ist.

These 17: Die Schwarmintelligenz schlägt den einzelnen - das ist richtig und schön. Nur ist es zumindest heute noch nicht so, dass das Gros der Nutzer Wikipedia- und andere Inhalte hinterfragt, das hat der Guttenberg-Fall vor einigen Monaten gezeigt. Nicht einmal Journalisten tun das. Das Internet bietet allerdings überhaupt erst die Möglichkeit, den Nachrichtenfluss bis zur Quelle zurück zu verfolgen. Dass das gerade für Journalisten eine Herausforderung ist, kann nicht bestritten werden. Es kann aber auch zu Formen des Forenmobbings führen.

Fassen wir zusammen: Es ist schwer bis unmöglich, einen Umwälzungsprozess wir den aktuellen Medienwandel in 17 Thesen zu fassen und diese an die virtuelle Kirchentür zu nageln. Irgendwie erinnert das Manifest über weite Strecken an ein Wahlkampfprogramm, enthält viel Belangloses und diverse Allgemeinplätze. Jeder wird einige Punkte finden, die er so unterschreiben kann, mehr auch nicht. Vielleicht war das Ganze ja mal wieder eine PR-Maßnahme für die siebzehn fünfzehn Netzmenschen,die sich zu Wort gemeldet haben - der große Wurf war’s jedenfalls nicht.

Ein paar andere Reaktionen werde ich die Tage noch posten und twittern - das “wahre Moneyfest” schon mal als Einstieg. Nett auch, was Hal Faber in seiner gewohnt liebenswürdig-ironischen Art dazu meint. Außerdem lässt es Mercedes Bunz es in ihrem neuen Job beim Guardian doch etwas sehr an der gebotenen Differenzierung zwischen Meldung und Meinung fehlen.