Die Medientage 2009 sind vorbei und die Stimmung schwankt zwischen “hurra, wir überleben die Krise” bis hin zu “the best is yet to come”. Fast alle kriegen Dollarzeichen in den Augen, wenn’s um iPhone-Apps geht, weil ja die Zielgruppe in diesem Fall ausnahmsweise mal bereit sei, für ein Stück Software zu zahlen (was sogar im Spiegel stand und deswegen muss es ja so sein). Vielleicht geht die Rechnung ja auf, vielleicht werden sie auch eines Besseren belehrt. Denn einzelne Gadgets mögen ja tatsächlich ihren Programmierern Geld bringen (ähnlich wie es auch in der New Economy Firmengründer gab, die ihr Unternehmen an eine große Gruppe verkaufen konnten), das Gros wird aber meiner Auffassung nach eben nicht die große Kohle scheffeln, sondern allenfalls eigene Dienste und Sites pushen, was ja allerdings auch nicht schlecht ist.
Spannend waren wieder die beiden Gipfeltreffen - zumindest deren Key-Speeches. Eigentlich dachte ich ja zunächst bei Richard David Precht “was hat denn der mit solchen Themen zu tun?”, aber die Gedanken, die Precht beizutragen hatte, waren über weite Strecken interessant, wenn auch nicht in allen Punkten neu. Insbesondere die Idee der “systemrelevanten Medien” fand ich spannend - in Anlehnung an die systemrelevanten Banken, denen man ja auch die eine oder andere Staatshilfe gewährt. Zur Elefantenrunde am ersten Tag ist ansonsten nur zu sagen, dass sie mit insgesamt 14 Gästen heillos überbesetzt war. So richtig kam da keiner zum Zug und allenfalls Markworts launige Sprüche machten die Sache erträglich.
Wie old-fashioned noch viele Medienentscheider denken, bemerkte man am zweiten Tag anlässlich des Printgipfels. Jeff Jarvis wurde krankheitsbedingt per Skype zugeschaltet (funktioniert hervorragend) - und seine Thesen (eigentlich nur eine gestraffte Fassung seines Buches “What would Google do?”) kamen offenkundig nicht bei allen Verlagsmanagern an. Anstatt sich Gedanken über den “struggle for public attention” zu machen, beharren einige der Podiumsteilnehmer darauf, dass “man was dagegen tun muss, dass Google an den eigenen Inhalten mitverdient”. Nein, liebe Leute: Seid froh, dass Google Euch die Zugriffe beschert und die Leute auf die eigene Site schickt. Nehmt lieber das Geld von der Straße, das da liegt (und damit meine ich nicht nur die 17 Euro, die Ihr für jeden Text von der VG Wort bekommt)… man kann sich nicht bei Schneefall darüber beschweren, dass man nass wird, man muss den Schlitten rausholen und schauen, dass man seinen Spaß hat. Interessant war übrigens auch, wie detailliert sich Jarvis offenbar in der deutschen Medienlandschaft auskennt… okay, er war bei den letzten zwei, drei DLDs, aber bemerkenswert ist das dennoch.