Die Bahn hat die geplante Gebühr für Fahrkarten, die am Schalter gekauft werden, nun also doch noch gekippt. Ein PR-Unfall der besonderen Art. Stand Bahnfahren doch ohnehin schon im Verdacht, nicht nur teuer, sondern auch kompliziert zu sein. Wer die Automaten der Bahn nicht kennt, sollte sie einfach einmal ausprobieren - sie sind weniger kompliziert als man erwartet und man braucht definitiv kein Abitur, um an eine Fahrkarte zu kommen.
Gerecht wäre es schon gewesen, die Kunden, die Beratung wollen, zur Kasse zu bitten. Wohl gemerkt nicht alle, die eine Fahrkarte am Schalter kaufen, wollen und brauchen Beratung - wer seine Verbindung selbst recherchiert hat, sollte die Karte auch so bekommen - das haben schließlich etliche Gerichte im Zusammenhang mit Bankdienstleistungen entschieden. Andererseits: Wer Beratung in Anspruch nimmt, sich sämtliche Zuggattungen erklären lässt und das Für und Wider von Schlaf- und Liegewagen beschrieben haben möchte, kann auch dafür bezahlen. Schließlich ist das in Reisebüros seit Jahren übliche Praxis, dass eine Dienstleistung (Beratung!) bezahlt werden muss.
Was folgt jetzt aus der gekippten Gebühr? Bahnfahrkarten werden (für alle!) noch teurer als sie ohnehin schon sind. Und immer mehr Schalter werden geschlossen und Mitarbeiter abgebaut, so dass diejenigen, die wirklich Beratung brauchen, keine mehr bekommen werden - nicht einmal die, die dafür zu zahlen bereit wären. Ich sehe schon in kleineren Städten immer öfter geschlossene Schalter. Die Bahn wird kurzfristig den Kartenkauf per Web und Automat billiger machen - das wiederum darf sie - und im kommenden Jahr die Preise für alle erhöhen.
Es gibt nur zwei Wege: Entweder möglichst niedrige Preise - dann müssen wir bereit sein, mitzuarbeiten - siehe der dazu passende Artikel in der Zeit - oder wir sind bereit, die Leute zu entlohnen, die uns diese Dienstleistung erbringen. Das ist gerade in Zeiten einer Mindestlohndiskussion nicht mehr als recht.