Jul 27

Es musste ja so kommen. Dass der Spiegel mal wieder auf die Blogosphäre eindrischt, erhitzt die Gemüter. Wadenbeißende Blogger rufen wieder den Unterschied zwischen den Bloggern (natürlich alle ganz toll) und den Journalisten (ein Schimpfwort der Extraklasse) aus - das meiste an Replik ist weder bemerkens- noch zitierenswert.

Dass in dem Spon-Artikel (auch im gedruckten Spiegel der vergangenen Woche) dann auch noch ein paar Blogs genannt werden - zugegebenermaßen sehr individuell und nicht sehr treffend ausgesucht - treibt den etlichen hundert anderen Möchtegern-Alpha-Bloggern den Schaum vor den Mund. Ich geb’s ja zu - der Einstieg “Wenn das hier ein Blog wäre…” lädt ja schon zu einer entsprechenden Antwort ein - und die gibt (unter anderem) Thomas Knüwer, einer der meistgelesenen Blogger (mit Rückenwind vom Handelsblatt) und geißelt die Erfolglosigkeit von Spiegel online.

Ob die Zahl der Klicks aber ein gutes Indiz für die Qualität und Wichtigkeit eines Bloggers darstellt - dazu liefert Oliver Gassner in Telepolis eine ebenso nette wie treffende Einschätzung: “Das entspricht etwa der Konzeption, der Firma Maggi 5-Gourmet-Sterne zu verpassen, weil sie am meisten Suppe verkaufen.”

Jul 23

Der Axel-Springer-Verlag hat nicht nur eine neue Homepage, sondern wird auch seine sämtlichen PCs gegen Apple Macs eintauschen, berichtet die Computerwoche (bestätigt durch Springer-Mitarbeiter)… das ist spannend, faszinierend und erschreckend zugleich. Ich stelle mir gerade die Mitarbeiter der IT-Abteilung vor, die sich gerade sämtliche Haare raufen und über die Reibungsverluste nachdenken, um die sich die Entscheidungsträger offenbar keine Gedanken gemacht haben. Das Interview in der Computerwoche zeigt schon sehr gut, dass die Entscheidung pro-Mac nicht auf dem Mist der IT’ler gewachsen ist. Immerhin 12000 Rechner müssen jetzt ausgetauscht werden - die meisten wohl gleichzeitig, damit der Workflow gewährleistet ist.

Spaßig finde ich aber diese Passage im Artikel: Auf Anfrage in der Deutschlandzentrale teilte Apples Sprecher Georg Albrecht mit: “Die Kommunikation zum Einsatz unserer Rechner bei Springer überlassen wir ganz Axel Springer selbst.”

Mit Verlaub - der ist seit 1985 tot und dürfte wohl allefalls noch den Apple II mitbekommen haben. Warten wir mal ab, ob er sich dazu noch äußert… vielleicht wird aber auch Herr Döpfner noch was dazu sagen. ;-)

PS: Die FAZ meldet, dass der Gesundheitszustand von Steve Jobs Thema der letzten Quartalszahlenpräsention war… zumindest dürften die Nachrichten aus good old Germany den Apple-Chef etwas beruhigt haben. Gute Besserung, Steve!

Jul 16

Eine Mail an mich von Amazon: “Amazon.de hat neue Empfehlungen für Sie auf Basis der Artikel, die Sie gekauft oder bewertet haben.” Neben Robert Harris und der Spider Murphy Gang (welche Mischung…) rät man mir zu den unsäglichen “Feuchtgebieten” von Charlotte Roche. Danke schön, kein Bedarf. Das ist wohl das am meisten überbewertete Buch der Saison. Wenn wir übrigens schon bei Werken von MTViva-Moderatorinnen sind, hätte ich da tatsächlich eine Empfehlung: “Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens” von Sarah Kuttner. Sehr intelligente Unterhaltung… ist mir kürzlich bei “Was liest Du” mit Jürgen von der Lippe untegekommen. Ein Blick in die Literaturliste der aktuellen Staffel und der langen Nacht lohnt übrigens. Da sind etliche Bücher dabei, die sich lohnen könnten - neben den bekannten Werken von Jan Weiler, Thommy Jaud und Harald Martenstein auch McCarthy’s Bar von Pete McCarthy. Frei nach der Devise “Lauf niemals an einem Pub vorbei, der deinen Namen trägt.” hat sich der Ire auf die Suche nach Kneipen gemacht, die McCarthy im Namen tragen. 

Jul 13

Thomas Vogler, der Betreiber der Jazzbar Vogler in München, hat mal wieder Zoff mit den Behörden… diesmal geht’s um eine Jazzdarbietung am Karfreitag diesen Jahres, die nach Auffassung des Kreisverwaltungsreferats München gegen die Feiertagsverordnung verstoßen haben soll. 528 Euro soll der Herr Vogler löhnen - oder, so steht’s quasi vorbeugend und standardmäßig in dem Bescheid, in den Knast gehen. Er hat in seinem Newsletter angekündigt, dass er gegebenenfalls in den Knast wandern will und ich könnte mir gut vorstellen, dass er das publicity-wirksam durchzieht. Vielleicht kriegen wir dann so Johnny-Cash-mäßig irgendeinen überregional bekannten Jazzer dazu, dort ein Konzert zu spielen…

Es ist grandios albern, verdammt spießig, aber leider so typisch deutsch, dass man an diversen Feiertagen auf Geheiß der Kirche (die hierzulande Rechte und Privilegien genießt, die im Ausland nur Kopfschütteln hervorrufen) eigentlich nichts tun darf, was Freude oder Vergnügen verursacht… es sei denn, ist ist so provozierend, dass man im Zweifelsfall die Zensurkeule auspacken könnte und auf die Meinungs- und Kulturfreiheit pochen könnte. Dann bekäme man wohl auch Zuschüsse - ist ja Kultur der Andersdenkenden.

Ach ja… es handelte sich nicht um irgendeine wilde Orgie, die da ablief, sondern um ein vergleichsweise gesittetes Jazz-Konzert mit Joe Kienemann, dem Träger des Bayerischen Jazzpreises und des Schwabinger Kunstpreises.

Jul 03

Als Asus vor einem Jahr den ersten Eee-PC angekündigt hat, haben mich einige Kollegen verständnislos angeschaut, als ich das Konzept dahinter toll fand: ein Notebook für 300 Euro, das man immer dabei haben kann und das vor allem so klein und leicht ist, dass man es auch immer dabeihaben will.

Inzwischen sind einige Produkte rund um das Phänomen “Netbook” angekündigt worden, aber die wenigsten hat man bisher im Laden sehen können (manche nicht mal vorab in der Redaktion). Diese Woche hatte ich dann das (fast) perfekte Netbook in der Hand. Eine kleine Kaufberatung gefällig?

Also der Reihe nach: Der Asus Eee-PC 4G mit 7-Zoll-Bildschirm machte schon einen ziemlich durchdachten Eindruck - wenn man ihn mit der beiliegenden Linux-Version betreibt. Für Windows XP taugt dagegen die Auflösung nicht. In sofern habe ich auch die Aufregung nicht verstanden, als Asus auf der Cebit die Kooperation mit Microsoft angekündigt hat. Die macht nämlich erst mit der 9-Zoll-Version (EEE-PC 900) überhaupt Sinn. Das Gerät selbst ist durchwachsen - gar nicht mal schlecht verarbeitet, aber in Sachen Bildschirm, Tastatur und Akkulaufzeit noch nicht überragend.

Durchgefallen ist bei mir der One A120. Die Verarbeitung fand ich wenig überzeugend, die Tastatur lädt nicht zum Schnelltippen ein, das ganze Teil kippt zudem aufgrund ungeschichter Gewichtsverteilung nach hinten. Außerdem hat mich der VIA-Prozessor nicht überzeugt. Last not least sehen die Teile (insbesondere mit dem 7-Zoll-Bildschirm) ziemlich nach billigem Kinder-Laptop aus… tut mir leid, aber anders kann ich das nicht beschreiben.

Der erste Mini-Rechner mit Intel-Atom-Technologie kommt diesen Donnerstag in die Läden - zunächst mal nur in die Filialen von Aldi und hört auf den Namen Medion Akoya Mini. 399 Euro kostet das Teil und könnte mal wieder zu einem Ansturm wie in den 90ern führen.

Ich konnte das Gerät schon mal kurz antesten - und war überrascht bis hoch erfreut: Ein 10-Zoll-(Non-Gläre)-Display, das scharf, gut lesbar und hell ist, eine Tastatur, die für diese Geräteklasse relativ groß ist und auch schnelles Tippen ermöglicht. Die Performance des Geräts stimmt - der Atom ist allerdings gar nicht so viel schneller als der Asus. Schade eigentlich… Auch die Akku-Laufzeit ist nur ähnlich wie beim Eee-PC. Zum Einsatz kommt in der Aldi-Version - anders als die Gerüchte besagen - ein Drei-Zellen-Akku, nicht der schwerere Sechs-Zellen-Akku.

Wer bei Aldi nichts abbekommt, muss aber sicher nicht traurig sein, das Ding gibts bald sicherlich auch im Medion-Shop. Der Medion Akoya Mini war schon auf der Cebit angekündigt worden, allerdings erst für den Herbst. Dass Medion da jetzt schon schneller geschossen hat, ist löblich. und ungewöhnlich für diese Produktkategorie (man erinnere sich an die Warten-auf-Eee-Nummer, die Asus da abgezogen hat). Das Gerät ist baugleich mit dem MSI Wind (der hoffentlich in Deutschland noch einen anderen Namen bekommt ;-), aber wohl nicht vor September in die Läden kommt) und soll, wie man hört, in absehbarer Zeit auch noch mit weißem Gehäuse rauskommen (bei Ebay gibt’s ihn schon in der Farbe). In schwarz sieht er recht schlicht und unauffällig aus, abgerundete Kanten, liegt gut in der Hand (rund 1 Kilo leicht). Glücklicherweise haben die Leute von Medion auf diese empfindliche glänzende Oberfläche verzichtet, die die letzten großen Notebooks der Akoya-Reihe so empfindlich für Fingerabdrücke und Schmutz aller Art gemacht hat.

Woraus kann man sich in nächster Zeit noch freuen? Der Acer Aspire One ist für den Herbst geplant und könnte auch noch ein interessantes Gerät in derselben Preisklasse (rund 350 Euro) sein - die Kollegen der Chip-Redaktion zeigten sich von einem Fast-Fertig-Vorserien-Modell jedenfalls auch recht angetan (ebenso Tom’s Hardware Guide). Etwas teurer, dafür aber wohl sehr ordentlich verarbeitet ist der HP 2133, den es schon in einigen Ländern gibt (wird aber wohl um die 450 Euro Straßenpreis kosten).

Fazit: Mit Netbooks können Journalisten und andere mobile Menschen endlich ordentlich unterwegs arbeiten, ohne gleich ein 3 Kilo schweres vollwertiges Notebook dabei haben zu müssen. Für mich ist der Akoya derzeit DAS Gerät zum Surfen, Texte schreiben und bloggen für unterwegs. Der Preis ist zwar schon hart an der Schmerzgrenze für ein Zweigerät, aber ich glaube, wenn das Gerät in Weiß rauskommt, bin ich fällig, zumal wenn sich das Gerät tatsächlich als Macbook betreiben lässt!